Archiv für den Monat: Juni 2014

Die innere und die äußere Ordnung

Mein Arbeitszimmer spiegelt mein Ich. Und da ich sehr unternehmungslustig bin, mich auf alle möglichen Projekte einlasse, für die unterschiedlichsten Kundenanliegen aufgeschlossen bin, zeigt mein Arbeitszimmer diese Vielfalt meistens überdeutlich: Da liegen Notizen herum, die ich für mein neues Buch gemacht habe, Arbeitsblätter für das Teamtraining nächste Woche, Fachliteratur, die ich für mein neues Projekt brauche, ein offenes Buch, in dem ich gerade aus purer Neugier lese, mehrere Notizblöcke, die für unterschiedliche Themen vorgesehen sind, dazwischen meine liebste Wohnzeitschrift, die ich in meinen Arbeitspausen durchblättere. Mittendrin steht der Computer, daneben eine Duftkerze mit Rosenduft und eine kleine blau gemusterte Vase mit einem Sträußchen von frischen Rosen und Frauenmantel aus dem Garten. Neben meinem Schreibtischstuhl wartet die Nähmaschine betriebsbereit auf ihren nächsten Einsatz: Schließlich bin ich in Sommerstimmung und nähe gerade an einem Quilt mit Rosenmustern für meine Sandkastenfreundin Brigitte. Irgendwo liegen auch noch verstreut ein paar Musterbücher, die mich inspirieren sollen. Das Chaos ist bereits wie von allein expandiert, es hat den Rand des großen Arbeitstisches übersprungen und von der breiten Fensterbank Besitz ergriffen.

Heute hat es mich plötzlich gepackt: ich musste einfach aufräumen. Der Impuls kam unvorhergesehen über mich. Was soll ich sagen? Nach weniger als einer halben Stunde ist eine überschaubare Ordnung hergestellt, das Arbeitszimmer wirkt ruhig und einladend, das Fenster lässt sich wieder öffnen. Ich habe aus purer Lust eine Sonderschicht eingelegt, einfach weil es sich so gut anfühlt, hier zu arbeiten. Die Gedanken sind klar und fließen. Es gibt eben doch einen Zusammenhang zwischen innerer und äußerer Ordnung! Ich frage mich nur, warum ich dem Chaos immer wieder eine Chance lasse….

 

So viele Ablenkungen…

Gestern habe ich erfahren, dass im Odenwald gerade die Odenwald Country Fair eröffnet wird. Im Englischen Garten zu Eulbach kann man schöne Dinge rund um den Sommer und das Landleben entdecken. Ich liebe es, solche Ausstellungen zu besuchen. Es gibt meist viel Schönes zu bewundern, man bummelt von Stand zu Stand, lässt sich kulinarisch verwöhnen und genießt die sommerliche Atmosphäre. Vor einigen Jahren habe ich dabei einen wunderbaren Springbrunnen für mein Institut gefunden, an dem ich immer noch viel Freude habe. Deshalb war ich im ersten Moment entzückt, als ich von der Veranstaltung im Odenwald erfuhr. Aber dann fiel mir ein, dass ich ja eigentlich bis Sonntag ein Kapitel für mein neues Buch beenden wollte und deshalb keine Zeit für einen Ausstellungsbesuch habe. Allerdings könnte ich diese Arbeit natürlich auch verschieben…

Hier gibt es nun also zwei konkurrierende Ziele: Auf der einen Seite lockt das Vergnügen, auf der anderen wartet eine mühselige Aufgabe. Der Zufall will es, dass mein aktuelles Kapitel, an dem ich gerade arbeite, von der Fähigkeit zur Fokussierung handelt. Ich frage mich also ganz ernsthaft: Wo liegt meine Priorität? Auf welches Ziel sollte ich mich konzentrieren? Was hat mehr Bedeutung für mich? Na klar, eindeutig mein Buch. Also ist die Entscheidung gefallen: ich bleibe hier und schreibe mein Kapitel fertig.

Wir leben in einer Zeit ständiger Ablenkungen. Aber wer sich allzu oft ablenken lässt, bringt nichts zuwege. Je schlechter die Konzentration, desto schlechter die Leistung. Darum brauchen wir unbedingt einen klaren Blick für unsere Prioritäten und müssen bereit sein, Opfer zu bringen. Wertvolle Ziele verlangen immer Anstrengung, Arbeit und Zeit. Und ein Opfer zu bringen ist ja im Grunde nichts Schlimmes; es bedeutet lediglich, etwas Gutes für etwas Besseres aufzugeben. Dabei kann man schließlich nur gewinnen.

 

Soooo schön!

032Zu dieser Jahreszeit braucht man viel Geduld, wenn man mit mir spazieren gehen will. Die Natur hat im Moment allerhand zu bieten und ich bin überaus empfänglich dafür. Jedes Gespräch wird meinerseits alle paar Sätze von Entzückensrufen und Äußerungen der Bewunderung unterbrochen. Immer wieder muss ich stehenbleiben, weil ich irgendetwas entdeckt habe, das ich mir genauer anschauen will. Ich bestaune die Vielfalt der Insektenwelt, beobachte schwerfällige Hummeln, wie sie sich auf ihrer Suche nach Nektar tief in die Blüten des Fingerhuts vorarbeiten, ich lausche dem tiefen Summen, das aus den trichterförmigen Blütenkelchen dringt. Meine Blicke wandern über die Landschaft und ich nehme gierig die Farben in mich auf, das satte Grün der Sträucher, das strahlende Weiß des blühenden Holunders. Ich kann nicht anders, ich muss einen Ast herunterbiegen, um an den Blüten zu riechen und bin berauscht von der Stimmung des Frühsommers. Ich begeistere mich für die vielfältigen Blüten der unterschiedlichen Gräser und gerate in Verzückung über den Duft der großen Linde am Waldparkplatz.Ich freue mich auch an den kleinen und unscheinbaren Blüten, zart gestaltete Kunstwerke der Natur, unauffällig und vollkommen. Sogar meine Hunde scheinen etwas von der beseligenden Opulenz dieser Jahreszeit zu spüren. Übermütig wälzen sie sich im dichten Gras.

Mit allen Sinnen genießen – das ist ein sicheres Rezept zum Glücklichsein. Das Leben ist voll von solchen kleinen Gelegenheiten. Sie führen wesentlich zuverlässiger zum Glück als die großen und spektakulären Ereignisse, von denen wir uns das Glück erwarten. Denn sie bieten sich viel, viel häufiger. Es ist das Glück des Augenblicks, das jeden Tag bereichert. Man darf es nicht unterschätzen. „Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben“, schrieb Marie von Ebner-Eschenbach. Wer klug ist, nutzt diese Chance. Nur dumme Leute sind unempfänglich dafür.

 

 

Herz ist Trumpf!

Anfang der Woche hatte ich eine Besprechung mit einer Führungskraft. Gemeinsam wollten wir Inhalte und Ablauf einer Teamveranstaltung klären, die ich demnächst moderieren soll. Mein Gegenüber erwies sich als eine lebhafte Frau, warmherzig und offen, humorvoll und unkompliziert, gleichzeitig hoch kompetent. Unsere Zusammenarbeit war ebenso angenehm wie konstruktiv.

Auf dem Heimweg befand ich mich in bester Stimmung und mir war völlig klar, dass ich unter dem Einfluss meiner Gesprächspartnerin stand. Sie versteht es, positive Gefühle in anderen auszulösen. Ihre einladende Art und ihre Herzlichkeit bewirken, dass man sich in ihrer Gegenwart entspannt. Sie ist eine Person, der man vertrauen kann, das spürt man sofort. Und sie strahlt Zuversicht aus, sodass man die Überzeugung gewinnt, alles werde sich am Ende zum Guten wenden.

Ich glaube, dass genau diese Eigenschaft jemanden zu einer guten Führungspersönlichkeit macht. Die fachliche Kompetenz ist nur eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für gute Führungsarbeit. Ausschlaggebend scheint mir zu sein, welche Gefühle die Person in anderen auslöst. Wir sind nun einmal gefühlsgesteuert, darum reichen vernünftige Argumente nicht aus, um Menschen dauerhaft zu motivieren. Die positiven Gefühle, die Führungskräfte wie meine Gesprächspartnerin hervorrufen, sind entscheidend.  Ich wünschte, es gäbe mehr Personalentscheider, die das verstehen…