Archiv für den Monat: März 2014

Zuhören, zuhören, zuhören….

Vor ein paar Tagen habe ich mehrere Vorträge zum Thema Gesprächsführung gehalten. Eine wesentliche Voraussetzung für gute Gespräche besteht in der Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen und die ganze Aufmerksamkeit dem Gegenüber zukommen zu lassen. Das scheint so selbstverständlich, dass ich bei meinen Veranstaltungen kaum wage, es lange zu betonen.

In der Praxis sind wir jedoch alle versucht, in Gedanken schon eine Antwort zu formulieren, bevor der andere überhaupt ausgesprochen hat. Es scheint uns ungeheuer wichtig zu sein, uns mitzuteilen und gehört zu werden. Und wenn jeder auf dieses Bedürfnis ausgerichtet ist, gibt es nur Monologe, aber keine wirkliche Verständigung.

Da ich selbst immer mein bester Kunde bin, habe ich in den Tagen nach meinen Vorträgen sehr genau darauf geachtet, wie ich es selbst mit dem Zuhören halte. Vermutlich fällt es mir schon von Berufs wegen leichter als manch anderem. Und trotzdem: Ich spüre deutlich, dass es Energie kostet, sich bewusst dem Gegenüber zuzuwenden und eigene Gedanken und Empfindungen erst einmal zurückzustellen. Aber die Anstrengung lohnt sich auf jeden Fall: Denn habe ich dem anderen so gut zugehört, dass er sich verstanden fühlt, ist er nun seinerseits eher in der Lage, mir zuzuhören. Und das zahlt sich aus, manchmal sogar in Euro und Cent, wie ich bei einem Akquisegespräch feststellen konnte…

Arbeit und Persönlichkeit

Ich ermutige meine Kunden stets, ihren Job auf ihre eigene Weise zu tun. Jede Arbeit bietet Spielräume, auch wenn sie vielleicht auf den ersten Blick monoton erscheinen mag. Diese Freiräume gilt es zu nutzen. Es wirkt sehr befriedigend, wenn wir eine Arbeit auf unsere eigene Weise und im Einklang mit der eigenen Persönlichkeit verrichten. Zudem stellt die individuelle Gestaltung der Arbeit einen einzigartigen Beitrag dar. Da kommt etwas zum Ausdruck, das nur wir der Welt in dieser Form geben.

Diese Woche haben mir die Teilnehmer eines Deeskalationstrainings sehr deutlich vor Augen geführt, wie sehr es sich dabei doch um eine wechselseitige Beziehung handelt: Mit unserer Persönlichkeit können wir Arbeit gestalten und die Arbeit wiederum beeinflusst unsere Persönlichkeit.

Meine Seminarteilnehmer haben es mit einem sehr schwierigen Klientel zu tun. Indem sie sich auf ihr Klientel einlassen, entwickeln sie zahlreiche Fähigkeiten: Geduld, Dankbarkeit, Einfühlungsvermögen, kommunikatives Geschick, Frustrationstoleranz, Selbstbehauptung, Mut, strategisches Geschick und vieles mehr. Ihre Arbeit macht sie schon in jungen Jahren zu reifen Persönlichkeiten. Ich war von diesen Menschen wirklich beeindruckt. Dabei gilt ihr Job keineswegs als spektakulär. Sie haben all diese Seiten nur deshalb in sich kultivieren können, weil sie sich auf ihre Arbeit mit großer Ernsthaftigkeit eingelassen haben.

Was ich aus dieser Erfahrung mitnehme: Arbeit ist eine große Chance zur Persönlichkeitsentwicklung, eine, die wir unbedingt nutzen sollten. Und ich denke einmal mehr an John Ruskin, der schrieb: „Nicht, was er mit seiner Arbeit verdient, ist der eigentliche Lohn des Menschen, sondern was er durch sie wird.“

Was ich gut kann

Vorhin war ich im Laden meiner Lieblingsfloristin. Sie besitzt großes Geschick darin, Pflanzen jeder Art sehr phantasievoll und ansprechend zu präsentieren. Ich bin herumgegangen und habe all die Schönheit genossen. Ich bewundere das kreative Geschick meiner Floristin, ihr gutes Auge für ansprechende Arrangements und ich bedaure, es ihr nicht gleich tun zu können. Mir selbst fehlt die Vorstellungskraft. Ich kann Pflanzen nicht so geschickt zur Geltung bringen, würde es aber sehr gerne können.

Auf dem Heimweg habe ich dann darüber nachgedacht, wie wir mit unseren Fähigkeiten umgehen. Ich fürchte, ich habe über viele Jahre hinweg davon geträumt, bestimmte Dinge zu lernen und zu tun, für die ich kein Talent besitze. Musik machen zum Beispiel. Darüber habe ich vergessen, die Dinge angemessen zu schätzen, die mir liegen. Meine vorhandenen Talente schienen mir immer selbstverständlich zu sein.

Wir kommen im Leben weiter, wenn wir unsere Talente realistisch einschätzen. Wir sollten uns nichts vormachen und auch nicht auf Biegen und Brechen etwas erreichen wollen, für das wir nicht gemacht sind. Wir können nicht für alles eine Begabung mitbringen, weshalb uns vermutlich die eine oder andere Tür ein Leben lang verschlossen bleiben wird. Vielleicht ist das manchmal schmerzlich, aber es ist in Ordnung, denn es gibt noch genügend andere Türen, die uns offen stehen. Indem wir unseren tatsächlich vorhandenen Stärken viel Aufmerksamkeit widmen, werden wir zur besten Person, die wir sein können. Das reicht. Ich plädiere deshalb dafür, dass wir uns an dem freuen, was wir sind und haben, statt andere um etwas zu beneiden, für das wir nicht gemacht sind. Irgendein zeitgenössischer Philosoph schreibt dazu: „Selbstbewusstsein ist vor allem das Bewusstsein der eigenen Grenzen.“

Vertrauensbruch

Diesmal war das Ereignis der Woche sehr unerfreulich für mich. Ich habe einen Kooperationspartner, mit dem ich schon länger zusammenarbeite und dem ich vertraut habe. Nun bin ich rein zufällig dahintergekommen, dass er hinter meinem Rücken etwas inszeniert hat, das man nur als Vertrauensbruch bezeichnen kann. Es ging dabei um etwas Bedeutsames und Schwerwiegendes, nicht um eine Bagatelle.

Wie damit umgehen?

Spontan fällt mir dazu die Warnung des Kaisers Marc Aurel ein, einem Stoiker. Er riet: „Beginne jeden Tag, indem du dir sagst: Heute werde ich es mit Störungen, Undankbarkeit, Frechheit, Treulosigkeit, Feindseligkeit und Eigennützigkeit zu tun bekommen.“

Demnach wäre es meine eigene Schuld, dass ich nun fassungslos bin. Ich hätte es besser wissen können und sollen. Aber diese Haltung gefällt mir ganz und gar nicht, und zwar aus zwei Gründen:

  1. Wenn ich von allen Menschen Schlechtes erwarte, werde ich es genau damit hervorrufen. Menschen verhalten sich tendenziell so, wie man sie behandelt.
  2. Es gibt mit Sicherheit Gutes im Menschen. Die stoische Haltung des Marc Aurel wird nicht jedem Menschen gerecht. Ich wäre demnach ungerecht, wenn ich von jedem Schlechtes erwarten würde.

Soll man also Menschen vertrauen, obwohl sie potentiell Vertrauen missbrauchen? Ja, tausendmal ja! Ich werde wieder vertrauen und das Beste vom anderen erwarten, auf die Gefahr hin, wieder hereingelegt zu werden. Mein Misstrauen muss man sich erst einmal verdienen!

Allerdings – dieser Kooperationspartner hat es sich gründlich verdient. Ich werde die Zusammenarbeit ein für allemal beenden.

Die Schranke im Kopf

Vor einigen Tagen konnte ich eine seltsame Szene im Parkhaus beobachten:

Die Schranke vor der Ausfahrt war defekt und stand deswegen dauerhaft senkrecht, sodass man ungehindert passieren konnte. Vor mir fuhren zwei Fahrzeuge in Richtung Ausfahrt. Beide Fahrer hielten an der Schranke an und bemühten sich, ihren Parkschein in den Automaten einzuführen. Der war jedoch ausgeschaltet und ließ sich nicht mit Parkscheinen füttern. Es dauerte eine ganze Weile, bis der erste Autofahrer merkte, was los war. Der zweite, dicht hinter ihm, verhielt sich genau wie sein Vordermann: Er versuchte, seinen Parkschein in den Automaten zu stecken, bemerkte die offene Schranke nicht und brauchte einige Augenblicke, bis er verstand, was los war.

Zuerst wurde ich ungeduldig, als ich das Verhalten der beiden Fahrer beobachtete. Dann war ich erheitert; die Szene hatte auf jeden Fall etwas Komisches. Zuletzt wurde ich nachdenklich:

Wie oft mag es wohl vorkommen, dass wir Hindernisse sehen, wo keine sind? Wie häufig mag es mir wohl selbst passieren, dass ich mich bremse, weil ich ein Hindernis vermute, das es nicht gibt? Franz Kafka hat geschrieben: „Verbringe deine Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis. Vielleicht ist keines da.“

Was ich mir vornehme: Lieber fragen „Wie könnte es funktionieren?“ statt zu denken „Das geht bestimmt nicht.“ Und dann einfach mal machen. Letzten Endes kommt es darauf an, was wir versuchen. Ob wir damit Erfolg haben, ist gar nicht so wichtig.