Archiv für den Monat: Februar 2014

Vom Segen, ein Ziel gefunden zu haben

DAS Ereignis der vergangenen Woche war für mich die Fertigstellung meines neuen Buchmanuskripts. Seit vergangenem Sommer habe ich an dem Thema gearbeitet. Im Herbst konnte ich den Vertrag mit dem Verlag meiner Wahl abschließen und Anfang Januar habe ich begonnen, jeden Tag einige Stunden zu schreiben. Das neue Buch war zwei Monate lang mein wichtigstes Projekt, hat Energie, Nerven und Herzblut benötigt. Nun ist es fertig.

Zu meinem Erstaunen bin ich darüber weit weniger glücklich als erwartet. Es hat mir gefallen, mich täglich für dieses schöne Ziel anstrengen zu können. Ich hatte durch meine Arbeit Orientierung und Erfolgserlebnisse. Jetzt gibt es eine Leere, die ich überraschend deutlich wahrnehme, trotz meiner vielen anderen Aufgaben. Mir fehlt etwas.

Auf diese Weise spüre ich, was mir in der Theorie längst klar ist: Wir brauchen Ziele, und zwar herausfordernde, aufregende Ziele, die prickeln. Sie verschaffen uns eine Richtung und einen Maßstab für unser Handeln. Zudem sind Ziele unabdingbar, um zu wachsen und lebendig zu sein. Wir müssen immer irgendwie vorankommen, notfalls auch stolpern, aber es ist in jedem Fall wichtig, unterwegs zu sein. Stillstand bedeutet das Ende der Lebendigkeit. Indem wir Ziele verfolgen, machen wir jede Menge neue Erfahrungen. Wir erweitern unsere Fähigkeiten, entdecken ganz neue Seiten an uns. Dabei ist es nicht mal entscheidend, ob wir am Ende erfolgreich sind. Wir gewinnen auf jeden Fall.

Was ich nun tun werde, ist klar: Sofort ein neues Ziel finden.

Die Not der Täter

Als meine Kinder noch klein waren, gerieten einmal zwei von ihnen in einen heftigen Streit. Er endete damit, dass eines von ihnen einem anderen einen Bauklotz gegen den Kopf schleuderte. Beide Kinder weinten anschließend laut. Ich ging hin, um sie zu trösten, wobei ich mich besonders um die „Täterin“ kümmerte. Meine Schwester war zufällig dabei und missbilligte mein Verhalten. Sie meinte, ich müsse mich vor allem um das Kind mit der Beule am Kopf kümmern, statt um das gewalttätige Geschwisterkind.

Diese Woche hatte ich eine vergleichbare Situation im Coaching: Zwei Menschen, die einander nahe stehen, kommen nicht miteinander zurecht und es besteht eine große Gefahr, dass der eine von beiden gewalttätig werden könnte. Was tun?

Meiner Erfahrung nach bringen in solch einer Situation Argumente gar nichts. Es hat auch keinen Sinn, dem potentiellen Täter mit Konsequenzen zu drohen. Die Gewalt ist ein Symptom größter Hilflosigkeit. Der Täter hat einen Punkt erreicht, wo er sich in höchster Not befindet und nur noch sein Bedürfnis wahrnehmen kann. Argumente oder Konsequenzen sind ihm in diesem Moment egal. Er wird sich nicht darauf einlassen können. Also sollte man statt dessen auf sein übermächtiges Bedürfnis eingehen, ihm  aufzeigen, was er tun kann, um sein Bedürfnis gewaltfrei zu befriedigen. Und man sollte sich nicht einbilden, „so etwas“ könne einem selbst nie passieren. Ich bin überzeugt, dass jeder von uns an einen Punkt gelangen kann, an dem er aus Verzweiflung gewaltbereit ist.

Warum ich mich damals besonders liebevoll um die kleine „Täterin“ gekümmert habe, ist leicht zu erklären: Das „Opfer“ hatte nur eine Beule, die „Täterin“ jedoch war gleich aus zweierlei Gründen verzweifelt: Zum einen, weil sie ihr Bedürfnis nicht befriedigen konnte und zum anderen, weil sie gewalttätig geworden war und sich deshalb schuldig fühlte. Sie war eindeutig bedürftiger.

 

Die Arbeit vor der Arbeit

Man kann beim Arbeiten nur so effektiv sein, wie man klar ist. Diese Erfahrung musste ich diese Woche wieder einmal machen. Ich arbeite an einem Manuskript, für das ich lange und gründlich recherchiert habe. Natürlich gibt es eine Gliederung und ich habe grob die Punkte im Kopf, über die ich schreiben will. Wenn ich morgens an meinen Schreibtisch gehe, ist die Versuchung groß, einfach drauflos zu schreiben. Schließlich weiß ich eine Menge über das Thema und es gibt viel zu sagen, das ich zu Papier bringen möchte. Aber dann passiert immer dasselbe: Ich verheddere mich in meinen Gedanken. Der rote Faden ist futsch, ich muss ganze Absätze löschen.

Ganz anders läuft es, wenn ich diszipliniert vorgehe: Erst klären, was genau das Thema sein soll, Aspekte dazu sammeln und sie dann sortieren. Danach jeden Aspekt der Reihe nach abhandeln, evtl. vorher noch einmal untergliedern. Diese Vorarbeit fällt mir manchmal schwer, weil ich mich zuweilen dadurch in meiner Kreativität gebremst fühle. Trotzdem – an den Tagen, an denen ich mich zwinge, so systematisch zu arbeiten, komme ich viel weiter und schaffe mehr.

Es lohnt fast immer, sich ausreichend Zeit für einen detaillierten Plan zu machen und völlige Klarheit herzustellen. Egal, was wir vorhaben – von der Hausarbeit bis zum Management einer großen Organisation – ohne die nötige Klarheit sind wir nicht effektiv.

Geplatzte Träume

Vergangene Woche musste ich erleben, wie einer meiner Träume geplatzt ist. Es gibt etwas, das ich wirklich, wirklich haben will, aber nicht bekommen kann. Es liegt schlichtweg nicht in meiner Macht.

Nun könnte man natürlich sagen, dass es sehr unklug ist, wenn man etwas anstrebt, über das man keine Macht besitzt. Stimmt! Aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Ich denke mal, wir alle erhoffen uns das eine oder andere, ohne dass wir Einfluss auf die Erfüllung dieser Träume nehmen können. Außerdem sind wir kaum je vollkommen unabhängig und frei. Wir unterliegen fast immer auf die eine oder andere Weise Bedingungen, die wir nicht beliebig steuern können.

Für mich lautet deshalb die entscheidende Frage nicht „Wie beschränke ich meine Sehnsüchte, indem ich sie nur auf realistische Ziele richte?“. Es geht vielmehr um die Frage „Wie gehe ich mit Frustration und Enttäuschung um?“. Mir wurde letzte Woche Verschiedenes deutlich:

  1. Abschied von einem Lebenstraum bedeutet Trauer. Ich muss sie zulassen und ihr Raum geben.
  2. Das, womit sich der Geist beschäftigt, das wächst. Es liegt an mir, wie viel Raum ich den schmerzlichen Gefühlen gebe. Ich kann den Schaden begrenzen.
  3. Man wird garantiert unglücklich, wenn man sein Glück an bestimmte Bedingungen knüpft.
  4. Es hilft und macht Sinn, wenn man sich auf die Dinge konzentriert, auf die man Einfluss hat.

Es geht mir inzwischen schon besser. Ich arbeite an Projekten, die ich wenigstens teilweise steuern kann.