Archiv für den Monat: Januar 2014

Gemeinsamkeit schafft Sympathie

Heute war ich mit meinem Mann zum Mittagessen im Schloss Johannisberg. Wir hatten gerade unsere Vorspeise beendet, als am Nebentisch eine Gruppe von Asiaten Platz nahm. Sie waren ebenfalls zum Essen gekommen, nahmen ihre Servietten vom Tisch, rückten die Gläser und unterhielten sich lebhaft. Das ging eine ganze Weile so, bis plötzlich alle aufstanden, um in einem anderen Raum des Restaurants zu verschwinden. Wenig später kam die Bedienung und begann damit, den nun frei gewordenen Tisch wieder herzurichten. Als wir uns neugierig bei ihr erkundigten, warum denn die Herren einfach aufgestanden und hinübergegangen seien, erklärte sie, den Herren habe der Tisch nicht zugesagt, weil er auf der Terrasse lag (die im Winter natürlich geschlossen ist und angenehm beheizt wird). Ich schüttelte nur den Kopf und machte eine Bemerkung dahingehend, dass ich in meinem Beruf auch manchmal unter den Eigenheiten meiner Kunden zu leiden hätte. Unsere Blicke begegneten sich und für einen Augenblick war da eine große Verbundenheit zwischen uns, ein tiefes Verstehen. Die Freundlichkeit, mit der wir anschließend bedient wurden, überstieg das professionelle Maß an Höflichkeit bei weitem. Es hatte sich durch diesen einen Augenblick, in dem wir uns bewusst wurden, dass wir eine herausfordernde Erfahrung teilen, eine starke gegenseitige Sympathie entwickelt. Obwohl wir sonst nichts voneinander wissen.

Die psychologische Forschung kennt diesen Effekt. Ähnlichkeit erzeugt Sympathie. So stehen beispielsweise Hilfsbereitschaft und Ähnlichkeit in unmittelbarem Zusammenhang: Man setzt sich für denjenigen ein, der in irgendeiner Hinsicht so ist wie man selbst. Das Ähnlichkeitsprinzip ist sehr machtvoll. Es kommt sogar dann zur Geltung, wenn es sich um eine völlig bedeutungslose Gemeinsamkeit handelt wie beispielsweise das Geburtsdatum. Wer also die Sympathie seines Gegenübers gewinnen will, kann für den Anfang eine Gemeinsamkeit hervorheben.

Emotionale Intelligenz in der Antike

Das Konzept der emotionalen Intelligenz, das ich in meinem Buch darstelle, ist mir inzwischen zur täglichen Selbstverständlichkeit geworden. Es hat sich im Alltag bewährt und ich arbeite ganz automatisch damit. Nun habe ich noch ein anderes vielversprechendes Konzept kennengelernt, das sehr viel älter ist. Es stammt von den Stoikern.

Sie arbeiteten gezielt daran, positive Gefühle zu kultivieren und negative zu dämpfen. Dieses Vorgehen wird auch von den modernen Neurophysiologen empfohlen. Denn unser Glück entspringt einem System von Spieler und Gegenspieler: Das rechte Stirnhirn ist für negative Gefühle zuständig, das linke für positive. Die jeweils stärkere Empfindung setzt sich durch. Wenn ich nun negative Gefühle dämpfe und positive kultiviere, bin ich glücklicher und habe ein besseres Leben. Um das zu erreichen, kannten die Stoiker mehrere Techniken.

Besondere Bedeutung hatte dabei die negative Visualisierung: Die Stoiker empfahlen, wir sollten die Menschen und Dinge um uns herum nicht für selbstverständlich nehmen; vielmehr sollten wir uns immer wieder vorstellen, wie es wäre, wenn sie plötzlich nicht mehr da wären. Schließlich haben wir alles im Leben nur auf Zeit. Wir können nichts davon behalten. Wer sich das bewusst macht, weiß Menschen und Dinge mehr zu schätzen. Auf diese Weise gehen wir liebevoller mit den Menschen um uns herum um, genießen ihre Gegenwart intensiver und gestalten das Zusammensein freudvoller. Damit enstehen jede Menge positive Gefühle. Dieselbe Technik können wir auch auf unsere Besitztümer anwenden. Dann freuen wir uns viel mehr an dem, was wir haben. So lässt sich der hedonistischen Gewöhnung entgegenwirken. Oder wir hören auf, unsere körperlichen Fähigkeiten als Selbstverständlichkeit zu betrachten.

Ganz wichtig war die Technik der negativen Visualisierung auch im Hinblick auf die eigene Endlichkeit: Indem wir uns unseren Tod vor Augen führen, werden wir dankbarer für das Leben. Und wir verschwenden dann nicht so viel Zeit auf Dinge, die es nicht wert sind. Statt dessen füllen wir unsere Tage mit sinnvoller Aktivität, schätzen und nutzen das Heute.

Negative Visualisierung scheint mir eine gute Gewohnheit zu sein. Sie hilft uns dauerhaft, das Leben zu lieben und Freude zu empfinden.

Ein fataler Teufelskreis

Kürzlich habe ich die Bekanntschaft eines Mannes gemacht, der auf den ersten Blick extrem freundlich und zuvorkommend wirkte. Er arbeitet wie ich in einem beratenden Beruf und da ist ein freundlicher Umgangsstil sicher sehr von Vorteil. Auf den zweiten Blick allerdings fiel mir auf, dass dieses freundliche Gebaren eine Spur übertrieben ausfiel. Zu viel angestrengtes Lächeln, zu große Hilfsbereitschaft, zu häufiges zustimmendes Nicken. In mir entstand zunehmend ein Gefühl von Ablehnung und Geringschätzung. Es dauerte ein paar Minuten, bevor ich die Situation durchschaute:

Das übertrieben freundliche Gebaren war natürlich Ausdruck eines geringen Selbstwertgefühls. „Hab mich gern und sag mir, dass ich toll bin!“, schien dieser Mann mit seinen vielen kleinen Gesten zu betteln. Und genau daher kam meine Geringschätzung: Offensichtlich kann er sich selbst nicht genug schätzen und braucht dringend die Bestätigung seiner Mitmenschen. „Jeder Mensch gilt in dieser Welt nur so viel, als wozu er sich selbst macht.“, stellte schon der berühmte Herr Knigge fest. Wenn mein Gegenüber keine hohe Meinung von sich hat und um Bestätigung bettelt, halte ich automatisch auch nicht viel von ihm. Daher mein spontanes Gefühl der Ablehnung. Ich hatte keine hohe Meinung von meinem Gegenüber und noch geringere Lust, hier als Instrument zur Verbesserung seines Selbstwertgefühls zu agieren. Wir standen in einer geschäftlichen Beziehung, die Rollen waren völlig klar. „Stärkung des Selbstwertgefühls“ gehörte eindeutig nicht zu meinen Aufgaben.

Ich habe meinem Gefühl von Geringschätzung natürlich nicht nachgegeben, aber ich habe auch keine therapeutische Rolle gespielt, sondern mich ganz auf die professionelle Rolle zurückgezogen, die ich in dieser Situation innehatte. Dadurch habe ich eine Distanz aufgebaut, mit der ich mich vor den Forderungen meines Gegenübers schützen konnte.

Das Fatale für solch einen Menschen ist, dass er ganz schnell in einen Teufelskreis gerät: Sein schlechtes Selbstwertgefühl lässt ihn bedürftig erscheinen und verleitet ihn zu unterwürfigem Verhalten. Das aber stößt die Menschen seiner Umgebung ab, er erntet ablehnende und ungeduldige Reaktionen. Diese wiederum verstärken bei ihm den Eindruck, dass andere ihn nicht mögen und er nicht viel wert zu sein scheint. Sein Selbstwertgefühl nimmt weiter ab.

„Selbstschätzung ist Pflicht des Menschen gegen sich selbst:“, mahnte Immanuel Kant. Wie wahr!

Ziele müssen prickeln!

Vor etwa einem halben Jahr habe ich mir ein neues und ehrgeiziges Ziel gesetzt, das ich innerhalb der nächsten zehn Jahre erreichen möchte. Jetzt, zu Beginn des neuen Jahres, liegt es nahe, einmal zu überprüfen, was sich für mich seither verändert hat. Und das ist eine ganze Menge:

  • in allen Dingen eine viel größere Klarheit
  • bessere Entscheidungen
  • mehr Energie
  • größere Gelassenheit
  • mehr Freude und Lebenslust
  • mehr Kreativität
  • mehr Mut
  • mehr Tatendrang
  • eine bessere Außenwirkung (sehr wichtig für die Selbstvermarktung!)
  • häufiges Fließen bei der Arbeit
  • größere Sicherheit in allen Bereichen
  • weniger Zeitverschwendung (z. B. durch überflüssige Plaudereien oder Fernsehen)
  • mehr gute Netzwerkkontakte
  • größere Entschlossenheit
  • größere Effektivität

Das Leben fühlt sich mit einem ehrgeizigen Ziel vor Augen ganz anders für mich an; ich fühle mich anders an. Diese Erfahrung bestätigt meine Überzeugung, wie sehr es sich lohnt, wenn wir prickelnde und ehrgeizige Ziele anpeilen. Wir gewinnen damit eine ganz andere Energie und Lebensqualität. Es stimmt vollkommen, was Viktor Frankl behauptete: „Es ist nicht schlimm, ein Ziel nicht zu erreichen – viel schlimmer ist es, kein Ziel zu haben!“

Blick in die Zukunft

Heute wurde ich vom Hessischen Rundfunk überraschend um ein Interview zum Thema „Horoskope“ gebeten. Man fragte mich auch, ob ich selbst Horoskope lesen würde. Das kann ich nur uneingeschränkt verneinen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Horoskope in den Bereich des Aberglaubens gehören.Die Astrologie versagt vollständig, wenn es um Vorhersagen aller Art geht. Das ist das Ergebnis zahlreicher Studien. Es wäre hochgradig unvernünftig, sich von der Astrologie Antworten hinsichtlich unserer Zukunft zu erwarten. Selbst wenn die Sterne Einfluss auf unseren Lebensweg hätten (was man sehr bezweifeln muss), dann wäre dieser Einfluss derart geringfügig, dass er von vielen anderen Faktoren vollständig überlagert würde.

Mein Rat lautet deshalb: Vergeuden wir keine Zeit mit dem Lesen von Horoskopen! Viel klüger ist es, wenn wir entschlossen die Verantwortung für unser Leben übernehmen. Schreiben wir unser Horoskop doch selbst!