Archiv für den Monat: Dezember 2013

Eine scheußliche Tradition!

Während der Weihnachtszeit war ich für eine Woche mit meiner Familie in England. Wir haben in der Grafschaft Kent ein Haus auf dem Land gemietet. Die Gegend ist wunderschön und ich habe unsere Zeit dort sehr genossen, trotz des Orkans, der heftigen Regenfälle und des Stromausfalls. Es gab allerdings eine Sache, die mir zu schaffen machte: die Leidenschaft vieler Briten für die Jagd. Es ist durchaus üblich, während der Jagdsaison aus reinem Vergnügen Vögel zu schießen. Mancherorts werden sie extra gezüchtet, um anschließend geschossen zu werden. Ich hörte Schüsse, solange das Tageslicht anhielt.

014Als ich unsere Hunde ausführte, fand ich haufenweise geschossene Enten und Tauben. Man hatte sie einfach am Feldrand gestapelt oder in den Straßengraben geworfen, um sie dort verwesen zu lassen. Ich war entsetzt, als ich die Tiere fand. Und es wurden immer mehr. Meine Wut auf die Jäger, mein völliges Unverständnis für diesen „Sport“, meine Abscheu angesichts von Tötungen aus Spaß lassen sich kaum beschreiben.

Damit ergibt sich für mich eine Situation, in der mir das Konzept der emotionalen Intelligenz, wie ich es im Buch beschrieben habe, nicht weiterhilft. Ich nehme meine Gefühle zwar deutlich wahr und weiß auch, was sie bedeuten. Aber ich kann den dritten Schritt nicht vollziehen: nämlich handelnd Konsequenzen zu ziehen. Mir fällt keine Handlung ein, mit der es mir besser geht. Was kann ich tun, um die Gefühle von Trauer und Abscheu zu verringern? Hat jemand eine Idee?

Geben ist seliger als Nehmen

Kürzlich habe ich eine sehr dekorative kleine Statue erworben, die ich in mein neues Arbeitszimmer stellen wollte. Als ich einige Tage später ein Weihnachtsgeschenk für eine Freundin suchte, fiel mir plötzlich diese Statue wieder ein. Ich war mir sicher, dass sie meiner Freundin genauso gefallen würde. Kurzentschlossen habe ich ihr die Figur zum Geschenk gemacht. Ihre Freude darüber war sogar noch größer, als ich erwartet hatte. Was mir dabei klar wurde: Mein Glück über die Freude meiner Freundin überstieg bei weitem das Vergnügen, das ich selbst an diesem Gegenstand gehabt hätte, wäre er in meinem Besitz geblieben.

Der Spruch aus der Apostelgeschichte „Geben ist seliger als Nehmen“ wurde wissenschaftlich bereits vielfach belegt. Wer gut zu anderen ist, erfreut sich besserer Gesundheit, wird seltener depressiv und lebt länger. Goethe hatte wieder einmal Recht: „Wer nichts für andere tut, tut nichts für sich.“

Fazit: Weihnachtsgeschenke sind alles in allem eine prima Idee (vorausgesetzt man schenkt in Liebe und nicht unter Stress). Und wir sollten die anderen übers Jahr verteilt ruhig öfter mal mit liebevollen Geschenken (kleine Aufmerksamkeiten, Zuwendung, Zeit etc.) versorgen.

Fröhliche Weihnachten!

004Kürzlich wurde ich in einem Interview gefragt, wie man denn dem familiären Weihnachtsstress entgegen wirken könne. Die Frage hat mich überrascht und ich fürchte, meine Antwort kam recht zögerlich, denn das Thema ist mir persönlich fremd.

Natürlich kenne ich die mit dem Weihnachtsfest verbundene Arbeitsbelastung (hier hilft tatsächlich nur ein gutes Zeitmanagement, was mir mal mehr und mal weniger gelingt). Aber familiären Stress kenne ich seit gut einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Dafür gibt es zwei Gründe:

Zum einen habe ich mich (zugegeben: erst nach einigen Enttäuschungen) damit abgefunden, dass die perfekte Weihnacht nur in der Werbung und in amerikanischen Spielfilmen existiert. Überall sonst geht es lebendig zu. Meine Erwartungen habe ich also an die Realität angepasst. Zum anderen klären wir in unserer großen Familie rechtzeitig Wünsche und Erwartungen. Bedürfnisse ändern sich, weshalb kein Weihnachtsfest genau wie das vorangegangene abläuft. Das geht natürlich auf Kosten liebgewonnener Rituale. Dafür ersparen wir uns aber gereizte Stimmung, aufgesetzte Feierlichkeit und pflichtschuldigst zusammengebissene Zähne. Statt dessen herrscht gegenseitige Toleranz und die weihnachtliche Atmosphäre ist authentisch: Man darf sogar laut sagen, wenn man ein Geschenk nicht mag. Das Miteinander gestaltet sich sehr entspannt und oft wird viel gescherzt und gelacht. Ich liebe Weihnachten mit meiner großen Familie!

Strategisch statt impulsiv!

Seit einiger Zeit schon habe ich es mit einem inkompetenten Kooperationspartner zu tun, der mir mit unprofessionellem Verhalten Schwierigkeiten bereitet. Ich bin leider in gewissem Umfang auf ihn angewiesen und er kann mir mit seinem Verhalten durchaus geschäftlichen Schaden zufügen. Was also tun?

Das Problem ist auch anderen aufgefallen und ich erhielt dazu folgende Ratschläge:

  1. „Sag ihm mal ordentlich die Meinung!“ – Keine gute Idee, denn damit würde ich nur einen Konflikt schaffen, aber weder seine Kompetenz noch seine Kooperationsbereitschaft fördern.
  2. „Beschwer dich doch bei seinem Chef!“ – Auch keine gute Idee, denn das Ergebnis wäre wahrscheinlich dasselbe: zur Inkompetenz käme dann noch seine Wut auf mich.

Ich käme in dieser Sache also nicht weit, wenn ich meinem Ärger impulsiv Luft machen würde. Im Grunde ist es auch nicht erforderlich, überhaupt einen der Beteiligten meinen Ärger spüren zu lassen. Es genügt vollkommen, dass ich selbst klar erkenne, was los ist. Und dann gut nachdenke: Was kann ich tun, um mir selbst zu helfen? Es  geht sicher nicht darum, meinen  ungeliebten Kooperationspartner zu bestrafen.

Inzwischen habe ich die Sache im Griff: Durch freundliche und sehr konkrete Bitten steuere ich das Verhalten meines inkompetenten Gegenübers. Ich ermutige, bin geduldig, hartnäckig und zeige mich dankbar, wenn es dann schließlich funktioniert. Klar ist das manchmal anstrengend – aber es ist das Beste, was mir dazu einfällt. Die Geschichte erinnert mich an einen Spruch von Theodor Storm:

Man muss das Leben aus dem Holz schnitzen, das man zur Verfügung hat.

Das eigene Wetter machen

012Samstag musste ich ein paar Dinge im Supermarkt besorgen. Es waren sehr viele Menschen unterwegs, weshalb überall großes Gedränge herrschte. Das wirkte sich nicht gut auf die Stimmung aus: Ich konnte die Anspannung der Menschen deutlich wahrnehmen, viele wirkten ungeduldig, genervt oder sogar leicht aggressiv. Einige benahmen sich rücksichtslos.

Wenn so viele Leute so schlecht drauf sind, besteht die Gefahr der Ansteckung. Man passt sich ohne nachzudenken der vorherrschenden Stimmung an. Muss aber nicht sein.

Worauf es ankommt: Rechtzeitig zu merken, was da gerade passiert und sich klar zu entscheiden, was man will. Das gelingt mir nicht immer, weil ich manchmal zu unaufmerksam bin oder auch zu kraftlos. Aber am Samstag hat es geklappt. Mir war ganz schnell bewusst, dass ich mich nicht mit all den schlechten Gefühlen infizieren, sondern meine gute Laune behalten wollte. Deshalb habe ich freundlich auf die Drängler an der Kasse und im Aufzug reagiert, viele Menschen angelächelt und ganz Ungeduldige vorgelassen. Sogar ein Kompliment habe ich gemacht, und zwar in humorvoller Weise, sodass alle im Aufzug schmunzeln mussten und sich gleich drei Personen gleichzeitig gebauchpinselt fühlten.

Gefühle sind ansteckend und wer schlecht drauf ist, zieht andere runter. Eine Erfahrung, die bestimmt jeder von uns schon unzählige Male gemacht hat. Aber dem lässt sich entgegenwirken, wenn man will. Das stärkere Gefühl setzt sich in der Regel durch – somit kann jeder von uns, ganz gleich, wohin er geht, sein eigenes Wetter machen und genau die Atmosphäre schaffen, die er haben will.