Archiv für den Monat: November 2013

Glück und Erfolg

Gestern ist die Modeschöpferin Jil Sander siebzig Jahre alt geworden. Ihre Arbeit zeichnet sich durch schlichte Eleganz aus. Sie hält nicht viel von Schnickschnack, dafür aber um so mehr von erstklassigen Stoffen. Jil Sander hatte mit ihrem Stil zeitlebens überwältigenden Erfolg.

Man könnte nun versucht sein zu glauben, dieser Erfolg habe sie glücklich gemacht. In Wirklichkeit verhält es sich genau umgekehrt: In einem Interview erklärte sie, das wichtigste sei eine Arbeit, die Freude macht. Jil Sander hatte stets hohe Ansprüche an sich selbst und arbeitete mit Leidenschaft. Als Resultat stellte sich Erfolg ein.

Genau so verhält es sich! Erfolg ist das, was sich eher beiläufig einstellt, wenn sich der Mensch einer Sache widmet. Glück führt zum Erfolg, nicht umgekehrt. Jil Sander genießt ihren Erfolg, aber die Freude an ihrer Arbeit stand immer an erster Stelle.

Ich meine, jeder Mensch sollte die Chance erhalten, Glück in der Arbeit zu finden. Das macht nicht nur froh, sondern auch erfolgreich. Es liegt genau genommen im Interesse der Gemeinschaft. Ich für meinen Teil achte sehr genau darauf, jeden Tag etwas zu arbeiten, das mich froh macht. Heute habe ich eine Veranstaltung vorbereitet und meiner ältesten Tochter etwas Gutes getan. Ein erfolgreicher Tag!

Kooperation statt Konflikt

Am Wochenende gab es mehrere Veranstaltungen bei mir im Institut und es wurden alle verfügbaren Parkplätze dringend gebraucht. Um so ärgerlicher war ich, als ich bei meiner Ankunft mehrere Falschparker vorfand, die meine Kundenparkplätze belegten. Eine Fahrerin hatte ihren Wagen sogar so ungeschickt abgestellt, dass gleich zwei Parkplätze besetzt waren. Sie wurde kurz darauf von einem meiner Kunden eingeparkt. Er nahm an, es handle sich um das Fahrzeug eines anderen Veranstaltungsteilnehmers und sie würden später zeitgleich wegfahren. Da bis zum Beginn der Veranstaltung noch reichlich Zeit war, ging er für ein paar Besorgungen in die Stadt .

Als nun die Falschparkerin zu ihrem Wagen zurückkehrte, konnte sie nicht wegfahren. Sie wartete ein Weilchen und betrat dann mein Institut, um sich nach dem Fahrer des Wagens zu erkundigen, der sie eingeparkt hatte. Ich erklärte ihr, er werde voraussichtlich in den nächsten zwanzig Minuten wiederkommen und lud sie ein, so lange bei mir zu warten. Sie nahm die Einladung an und erkundige sich, welche Veranstaltung denn stattfinden würde – das Ende der Geschichte war, dass sie den ganzen Nachmittag blieb, die Veranstaltung genoss und ich eine sympathische neue Kundin gewonnen hatte.

Die Sache hätte auch ganz anders ausgehen können, wir hatten schließlich beide Grund zum Ärger: ich, weil sie widerrechtlich auf meinem Grundstück geparkt hatte und sie, weil sie eingeparkt worden war und festsaß. Hätten wir uns aggressiv verhalten, wäre es nie zu dieser für beide Seiten angenehmen Kooperation gekommen.

Fazit: Wer seine Gefühle im Griff hat, gewinnt!

Herausforderung, ja bitte!

Ich hab mich mal wieder weit vorgelehnt und gerade einen Vertrag unterschrieben, der mir eine Menge abverlangen wird. Jetzt bin ich mächtig gefordert. Und eine dumme innere Stimme flüstert: „Da hast du dir ganz schön was aufgeladen. Schaffst du das überhaupt? Du könntest dir dein Leben doch viel bequemer einrichten!“

„Ja, natürlich, irgendwie schaffe ich das, und zwar mit Bravour!“, rufe ich zurück. Der Weg entsteht doch beim Gehen! Wer wäre ich denn, wenn ich immer nur das täte, was ich bereits gut kann?! Dann wäre mein Leben fraglos bequemer und ich bliebe dieselbe Person, die ich schon immer gewesen bin. Wie erbärmlich! Dagegen hilft nur wohldosierte Überforderung.

Also lasse ich den feigen Faulpelz in mir gutgelaunt abblitzen und wende mich der neuen Aufgabe zu. Ich stärke mein Selbstvertrauen, indem ich mir vor Augen führe, dass ich ähnliche Herausforderungen bereits gemeistert habe, nehme mir genug Zeit, einen (vorläufigen) Plan zu machen und beginne mit der Arbeit. Einfach anfangen, einfach mal tun. Der Rest findet sich.

Traum und Wirklichkeit

Hin und wieder kaufe ich gern ein neues Deko-Objekt für mein Institut, ganz besonders, wenn es einen inhaltlichen Bezug zu meiner Arbeit hat. Als ich kürzlich mit meinen Töchtern unterwegs war, entdeckten wir in einem Laden Schriftzüge aus Metall. Man konnte unter verschiedenen Wörtern wählen. Sie waren alle ca. 15 cm hoch, 40 cm lang und hatten entweder eine rostige oder verzinkte Oberfläche. Mir gefiel das Wort „Träume“ und eine meiner Töchter griff sofort zur Variante mit der rostigen Oberfläche. Das Objekt wirkte sehr verträumt und überaus romantisch. Aber für mich war es nicht stimmig. Ich bevorzugte intuitiv die wesentlich nüchterner wirkende Variante aus Zink. Erst auf dem Heimweg wurde mir klar, warum: In meiner Arbeit wie auch in meiner Lebensweise verbinde ich beides, das Träumerische und die kühle Rationalität. Ich habe mir wohl eine nüchterne Betrachtungsweise von Träumen angewöhnt. Ich träume gern und ermutige auch meine Kunden dazu, aber sobald der Traum klar vor Augen steht, werden die Ärmel hochgekrempelt. Dann mache ich mich daran, aus den Träumen operable Ziele zu entwickeln. Ich handle gemäß der Formel

Erfüllung = Träume + Know-how

Wir brauchen unsere Träume, aber nicht, um von der manchmal unbefriedigenden Wirklichkeit abzulenken, sondern um unsere Wirklichkeit zu gestalten. Träume geben uns Orientierung. Traum und Realität treten in Wechselwirkung. So wird Erfüllung möglich.

Wow!

Ich staune zu wenig. Das ist schlecht, sogar gefährlich. Denn wer nicht staunen kann, glaubt, er wüsste. Und es ist immer diese vermeintliche Gewissheit, die einen letzten Endes stolpern lässt. Wer alles für selbstverständlich hält und sich nicht wundern kann, kann auch nicht in Frage stellen. Wer nicht zweifelt, kann die Dinge nicht mit neuen Augen betrachten. Wer aber seine Sichtweise nicht verändert, wird ewig in denselben alten Problemen festhängen. Ihm fällt nichts Neues ein. Er sieht Chancen und Lösungen nicht, die meist auch in den verzwicktesten Situationen möglich wären. Wenn man denn einen Blick dafür hätte.
Der menschliche Geist ist träge und er liebt Gewissheiten, weil die so unverschämt bequem sind. Kurzfristig. Langfristig fahren wir aber weit besser damit, wenn wir unseren Geist beweglich halten, dieselben Dinge immer wieder aus wechselnden Perspektiven betrachten können. Der erste Schritt dazu wäre die Fähigkeit zu staunen. Die lässt sich trainieren.

003Neulich habe ich gestaunt. Es war nur eine Kleinigkeit, aber sie erschien mir bedeutsam genug, um sie mit der Kamera festzuhalten. In diesem Jahr gab es Unmengen von Pilzen. Ich habe ihre Vielfalt und Schönheit bestaunt.

Und für heute nehme ich mir vor: Mindestens drei Dinge finden, über die ich staunen kann.

Ich bestimme!

Diese Woche habe ich Gartenabfälle zum Wertstoffhof in Königstein gebracht. Wegen des schönen Wetters herrschte dort ungewöhnlich viel Betrieb. Es gab kaum genug Platz für all die Autos. Menschen und Fahrzeuge waren einander im Weg, es ging ziemlich chaotisch zu. Man brauchte Nachsicht und ein bisschen Geduld. Dazu war nicht jeder der Beteiligten in der Lage, sodass sich Ungeduld und Aggressivität einstellten. Es wurde gehupt und gedrängelt. Plötzlich sprach mich ein Mann mittleren Alters an, dem es nicht gefiel, wie ich geparkt hatte (beim Hineinfahren war es die einzige Parkmöglichkeit für mich gewesen). Er gab sich ausgesprochen unhöflich, geradezu unverschämt. Natürlich war ich über sein Verhalten empört. Ich hatte jetzt verschiedene Möglichkeiten:
Ich hätte entsprechend harsch reagieren können. Da ich Schlagfertigkeit unterrichte, bin ich selten um eine Antwort verlegen. Aber was hätte sich daraus ergeben? Höchstwahrscheinlich ein heftiger Streit. Für keinen von uns wäre Gewinn daraus entstanden, dafür hätte ich aber Zeit verloren und Energie. Ich beschloss, dass ich das nicht wollte.
Darum wählte ich eine andere Möglichkeit: Ich wies seine Vorwürfe ruhig und freundlich zurück und parkte mein Fahrzeug ohne Eile um. Die Unfreundlichkeit meines Gegenübers nahm ich wahr als sein Problem, die chaotische Situation auszuhalten. Sie hatte mit mir nichts zu tun und ich war nicht gewillt, mir von diesem Mann einen Konflikt aufzwingen zu lassen. Wann ich mich mit wem worüber streite, das bestimme ich!