Archiv für den Monat: Oktober 2013

„Nein“ ist nicht genug

Ich hatte diese Woche gleich mehrfach Menschen in der Beratung, deren Anliegen es war, sich mit meiner Unterstützung besser abzugrenzen. Sei es, dass die Familie zu viel fordert, Kollegen übergriffig werden oder der Arbeitgeber unrealistisch hohe Leistungen erwartet. In all diesen Fällen wollten meine Kunden von mir wissen: Wie sage ich „nein“? Wie schütze ich mich vor all dem Druck? Wie komme ich innerlich zur Ruhe?
Natürlich kann ich meinen Kunden nun erklären, wie man geschickt Grenzen setzt. Und in vielen Fällen macht es auch durchaus Sinn, gute kommunikative Strategien zu lernen und zu nutzen. Aber das allein genügt noch nicht.
Vielmehr kommt es darauf an, genau zu wissen, was man will. In den Fällen, in denen ich selbst ganz genau weiß, worauf ich hinaus will, geschieht die Abgrenzung ganz automatisch. Ich muss dann nicht lange nachdenken, sondern merke sofort, wenn sich etwas nicht stimmig anfühlt. Meine Ziele verhelfen mir zu einer glasklaren Orientierung. Das „Nein“ kommt dann freundlich und selbstverständlich. Je stärker meine Orientierung ist, je bewusster meine Ziele sind, desto leichter fällt die Abgrenzung. Wo ich aber selbst nicht klar sehe, bringen mich die Forderungen der anderen schnell ins Schleudern.
Es ist sehr wichtig zu erkennen, wenn sich etwas nicht stimmig anfühlt. Dann sollten wir so schnell wie möglich klären, wie wir die Dinge statt dessen haben wollen. Letzten Endes ist es dieses „Statt dessen“, worauf es ankommt.

Kleines Gespräch mit großer Wirkung

Am Wochenende habe ich zwei Vorträge zum Thema Small Talk gegeben, was mir als Anlass diente, mein eigenes Verhalten in dieser Hinsicht noch einmal genau zu beobachten:
Ganz wichtig war mir in der vergangenen Woche das kleine Gespräch als Einstieg für einen neuen Geschäftskontakt. Ich gehe sehr wach in eine solche Situation hinein, schließlich weiß ich ja, was auf dem Spiel steht. Allerdings setze ich mich dabei niemals unter Druck. Dadurch ist es mir möglich, sehr gelassen und authentisch zu agieren. Wie von allein ergab sich ein netter Gesprächseinstieg, in dem ich mich vor allem wertschätzend und einfühlsam verhalten habe. Außerdem war es mir wichtig, Gemeinsamkeiten hervorzuheben, was zu gegenseitiger Verbundenheit führt – kein schlechter Start für eine Geschäftsbeziehung. So können Sympathie und Vertrauen wachsen.
Aber ich lasse mich gern auch in weniger bedeutsamen Situationen auf ein kleines Gespräch ein, beim Einkaufen zum Beispiel. Ich plaudere regelmäßig mit meiner Gemüsehändlerin und ihrem Mann. Das macht den Einkauf nicht nur angenehmer und interessanter, es schafft auch in diesem Kontext Sympathie und Vertrauen. So kann ich problemlos jederzeit Einkäufe zurückbringen, die meinen Ansprüchen nicht genügen und erhalte sofort Ersatz. Und wenn ich etwas Bestimmtes suche, werde ich zuverlässig und gut beraten. So hat sich eine sehr stabile Beziehung entwickelt und ich bin eine treue Kundin. Es ist eine rundum angenehme Sache, bei der es keine Verlierer gibt.
Irgendwer hat Small Talk einmal als soziale Fellpflege bezeichnet. Er hat ungefähr denselben Effekt wie das gegenseitige Lausen bei den Affen. Wir schaffen damit eine freundliche Atmosphäre und können auf dieser Basis alle möglichen Formen von Kooperation aufbauen.
Wie schade, dass die Kultur des kleinen Gesprächs so wenig Beachtung findet! Für mich ist Small Talk ein brauchbares Instrument für mehr Lebensfreude und Erfolg.

Der Planungsirrtum (Teil 2)

Ich schaffe es nicht. Jeden Tag dasselbe: Ich nehme mir zu viel vor, daher bleibt etliches unerledigt und ich gehe frustriert schlafen. Keine sonderlich befriedigende Situation.
Aber ich habe einen Weg für mich gefunden: Jetzt setze ich nur noch zwei bis vier Punkte auf meine Liste, die obligatorisch sind für den Tag. Sie genießen oberste Priorität und müssen unbedingt abgearbeitet werden. Daneben gibt es eine Reihe von optionalen Aufgaben. Die „darf“ ich angehen, sobald die wichtigsten Arbeiten erledigt sind. Hier agiere ich ohne Druck.
Ergebnis: Es geht mir damit wesentlich besser als zuvor. Die Hauptaufgaben schaffe ich täglich. Dafür ist immer ausreichend Zeit. Und wenn ich abends zu Bett gehe, bin ich stolz, wie viele „freiwillige“ Arbeiten ich geschafft habe (statt frustriert zu sein, weil ich wieder mal hinter meinen eigenen Erwartungen zurückgeblieben bin).
Fazit: Zeitmanagement-Rezepte machen nur bedingt Sinn. Letzten Endes sind sie nicht eins zu eins übertragbar. Sie passen einfach nicht zu jedem in jeder Situation. Besser ist es, mit Verstand und auf der Basis der eigenen Erfahrung die ganz individuelle Arbeitsorganisation zu entwickeln.