Archiv für den Monat: September 2013

Der Planungsirrtum

Gestern habe ich in meinem Institut einen Vortrag über die häufigsten Denkfehler gehalten, denen wir mit schöner Regelmäßigkeit unterliegen. Dabei wurde mir wieder einmal deutlich, wie irrational wir in vielen Situationen handeln. Mein allerliebster Denkfehler besteht darin, dass ich mir jeden Tag zu viel vornehme. Abends sind für gewöhnlich noch unerledigte Punkte auf meiner To do-Liste übrig. Ein unbefriedigender Zustand! Das Verblüffende daran: Ich scheine nichts daraus zu lernen und setze stur auch am nächsten Tag wieder zu viele Aufgaben auf meine Liste.
Angeblich befinde ich mich mit diesem Planungsirrtum in guter Gesellschaft. Untersuchungen zufolge arbeiten wir nur an jedem 20. Tag unsere Listen vollständig ab. Denn wir unterschätzen systematisch die vielen Störfaktoren, die uns von unseren Aufgaben abhalten.
Ich habe mir jetzt jedenfalls fest vorgenommen, endlich mehr Puffer in den Zeitplan einzubauen. Mal schauen, welche Erfahrungen ich damit mache…

Experimente statt Erfolgsdruck

Gestern hatte ich Gelegenheit, einen eineinhalbjährigen Jungen mehrere Stunden lang zu beobachten. Zum einen geht von solch einem kleinen Menschen natürlich ein unwiderstehlicher Liebreiz aus, dem ich auch prompt erlegen bin. Andererseits finde ich es immer wieder hochinteressant, einen Menschen zu beobachten, der noch nicht kulturell geformt (oder soll man sagen „verformt“?) wurde. Was mir gestern mal wieder überdeutlich wurde, ist die Art, wie ganz junge Menschen an die Dinge herangehen: Einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit verbringen sie mit zweckfreiem Agieren, d. h. sie hantieren, probieren, studieren – ohne sich dabei in irgendeiner Form unter Druck zu setzen. Sie erlauben sich, in aller Ruhe herauszufinden, wie die Dinge sind und wie sie funktionieren.
Warum tun wir Erwachsenen das so selten? Wir meinen immer, wir müssten mit jeder Aktion gleich Erfolg haben. Das ist unsinnig und ganz unmöglich! In meiner Beratungspraxis treffe ich laufend auf solche Situationen: Kunden haben den Anspruch, jede ihrer Entscheidungen und jede ihrer Handlungsweisen müsse „richtig“ sein. Aber wie soll das gehen? Es gibt kaum zwei vollkommen identische Situationen im Leben. Wenn ich nun in einer Situation stecke, in der Handlungsbedarf besteht, kann ich schlichtweg nicht immer wissen, was zu tun ist, einfach deshalb nicht, weil ich mit genau dieser Situation noch keine Erfahrung habe. Darum plädiere ich für lustvolles Erkunden und Experimentieren! Geben wir uns die Erlaubnis, ein bisschen mit den Elementen der Situation zu spielen und auch die Zeit, herauszufinden, was funktioniert!

Die heimliche Priorität….

Von Zeit zu Zeit arbeite ich für einen Kunden in Wiesbaden. Die Entfernung beträgt 25 km. Meine Seminare dort starten für gewöhnlich um 8:30 Uhr. Wenn ich eine Stunde zuvor von zu Hause losfahre, verbringe ich so viel Zeit im Berufsverkehr, dass ich punktgenau ankomme. 60 Minuten für 25 km, viel Stop and Go, lange Staus vor Straßeneinmündungen und roten Ampeln, gestresste Autofahrer und am Ende noch eine nervige Parkplatzsuche. Wie blöd muss man sein, um sich das regelmäßig anzutun? Die Frage kam spät, aber irgendwann wurde mir klar, dass ich blöd war und auch warum: Ich wollte morgens so lange wie möglich schlafen können. Diese Priorität hatte ich mir nie klar gemacht. Und auch nicht, welchen Preis ich dafür bezahlte. Jetzt bin ich klüger (endlich!): Ich fahre eine halbe Stunde früher los, halbiere wegen des geringeren Verkehrsaufkommens meine Fahrzeit und bin somit eine Stunde vor Arbeitsbeginn an meinem Arbeitsplatz. Parkplätze sind zu dieser Zeit noch reichlich vorhanden, ich kann den Seminarraum in aller Ruhe vorbereiten und habe noch genug Zeit übrig für einen Spaziergang mit meinen Hunden (die mich immer zur Arbeit begleiten). Der Kurpark in Wiesbaden ist zu solch früher Stunde besonders schön…