Wie brutal ist unsere Arbeitswelt?

Kürzlich war ich Gast in einer Talkshow und hatte dort Gelegenheit, über „mein“ Thema zu sprechen. Als Expertin für Arbeitsfreude bin ich überzeugt, dass wir uns nicht zu viel Frust und Unglück am Arbeitsplatz leisten sollten. Statt dessen sollten wir lernen, auch unter suboptimalen Bedingungen jeden Tag glückliche Momente zu schaffen. Glück ist nun mal eine Eigenleistung und sie hat stets die Qualität des Trotzdem. Wir dürfen mit dem Glücklichsein nicht warten, bis eines Tages vielleicht alles um uns herum in Ordnung gekommen ist. Vielmehr müssen wir die Arbeit auch dann genießen, wenn wir ebenso Grund hätten, uns zu beklagen. Letzten Endes geht es dabei um Selbstmanagement und die Frage, welchen Faktoren in unserem Leben wir wie viel Macht über uns geben und wie frei wir innerlich sind.

Es gibt ein kurzes Video über meinen Auftritt in der Talkshow, das ich in den sozialen Medien geteilt habe. Ich war darauf gefasst, dass mir nicht jeder zustimmt. Allerdings war ich dann trotzdem überrascht, wie tief die Bitterkeit über die bestehenden Arbeitsverhältnisse bei einigen Menschen doch ist. Sogar, wenn sie einen hochqualifizierten Job machen. Es leuchtet ein, dass es schwieriger ist, seinen Job zu lieben, wenn man im Schlachthaus zum Mindestlohn beschäftigt wird und jeden Tag knöcheltief in Blut watet. Aber offenbar erleben auch gut ausgebildete Menschen, die in einem gepflegten Büro sitzen, ähnliche Frustration. Eine Kommentatorin schrieb beispielsweise: „Glück am Arbeitsplatz“ – finde den Fehler!

Andere sprachen vom „deutschen Mobbing System“ (was auch immer das bedeuten mag) oder davon, dass Arbeit Sklaverei sei. Und obwohl ich die Gründe für Unzufriedenheit und Frustration nicht in Frage stelle, bleibe ich doch dabei: Jeder hat die Verantwortung für sein Glück und kann selbst entscheiden, welchen Faktoren er in seinem Leben Macht über sich geben will. Das Glück ist niemals ein Dauerglück, es kann nur episodisch sein. Grundsätzlich gibt uns jeder Job die Chance auf glückliche Momente. Es liegt an uns selbst, ob wir diese Chancen nutzen.

Arbeit als Kunstwerk

Für den Philosophen Michel Foucault besteht das größte Ziel menschlicher Existenz darin, das eigene Leben zum Kunstwerk zu machen. Grundsätzlich bietet die Arbeit die denkbar besten Voraussetzungen dafür. Denn Arbeit erfordert fortwährende Aktivität und liefert uns somit reichlich Gestaltungsräume.

Ego und Selbst

Der Alltag sieht aber anders aus: Dort pflegen wir das Ego, jenen Teil unserer Identität, der von Etiketten und Rollenverhalten bestimmt ist. Das bedeutet: Wir funktionieren sehr gut. Wir reflektieren und hinterfragen wenig, denn wir wollen vor allem Erwartungen erfüllen. Wir tun all die vernünftigen Dinge, die notwendig und angemessen erscheinen. Das ist zwar wichtig, aber zu wenig für ein erfülltes Leben. Wir brauchen mehr. Nietzsche warnte eindringlich davor, sich zu sehr von außen bestimmen zu lassen. Er fürchtete, dass viel zu viele von uns bereits Sklaven der drei „M“ geworden sind: des Moments, der Meinung und der Mode. Statt zu uns selbst zu finden und aus uns selbst zu schöpfen, erlauben wir Fremden, uns zu definieren und zu lenken. So kommt es, dass die meisten von uns ein oberflächliches und fremdbestimmtes Arbeitsleben führen.

Die Alternative wäre, ganz gezielt ein Selbst zu entwickeln. Es existiert nicht von Anfang an, es stellt vielmehr eine bewusste Konstruktion dar. Das Selbst ist mächtiger und autonomer als das Ego. Das Selbst ist in der Lage, das Ego zu beobachten und zu reflektieren. Erst das Selbst macht uns zu unverwechselbaren Individuen. Das Selbst wird gestaltet und gepflegt, es lässt sich durch Übung festigen.

Die Bedeutung des Selbst

Wer über ein Selbst verfügt, arbeitet anders: Er weiß genau, welche Person er sein möchte, welche Werte er vertritt, was ihm wichtig ist, was er tun muss, um sich selbst achten zu können. Ohne ein Selbst lässt sich der Mensch ganz einfach instrumentalisieren. Das kann in jeder Hinsicht in die Katastrophe führen, weshalb Nietzsche mahnt, die Erde werde zu einer „Wiese des Unheils“, wenn wir es versäumen, ein Selbst zu entwickeln. Ohne Selbst entsteht ein Arbeitsleben ohne innere Beteiligung. Dann bleibt nur das Warten auf den Feierabend in der Hoffnung, wenigstens dort wahrhaftige Lebendigkeit zu erfahren. Eine vergebliche Hoffnung; denn wer im Arbeitsleben kein Selbst besitzt, wird es auch in der Freizeit vermissen. Das führt zur Suche nach Ersatzbefriedigungen. Viele finden sie im Konsum.

Anders sieht es hingegen aus, wenn das Selbst Regie führt. Dann wird man zum Schöpfer, man orientiert sich an eigenen Maßstäben und kann auf diese Weise Erfüllung finden. Die Entwicklung des Selbst ist reine Lebenskunst. Es entsteht ein Bewusstsein für das eigene Sein. Das ermöglicht uns, sofort zu erkennen, wenn wir uns nicht im Einklang mit uns selbst befinden. Und genau das bewahrt uns davor, zum willfährigen Werkzeug anderer zu werden. So wird auch die Arbeit authentischer gelebt und gestaltet. Man weiß ganz einfach, wer man ist und richtet das eigene Handeln danach aus. Wer hierbei konsequent ist, ruht in sich und ist gegen schädliche Einflüsse geschützt. Er gewinnt täglich an Form, Kraft, Gelassenheit und Freude. Am Ende des Tages fühlt man sich rechtschaffen müde statt ausgelaugt und erschöpft. Und wer schließlich zu allem „ja“ sagen kann, was er während des Tages getan, gedacht und gefühlt hat, wird immer gut schlafen können.

Nur das Ergebnis zählt!

Irgendwo habe ich einmal den Satz gelesen: „Mit dem, was man zu tun vorhat, kann man sich keinen Namen machen.“ Die Wahrheit dieses Satzes erlebe ich regelmäßig, wenn ich bei einer Veranstaltung als Autorin vorgestellt werde und mir dann anschließend jemand berichtet, er selbst habe auch vor, ein Buch zu schreiben. Ich fürchte, nicht mal 10% derjenigen, die mir von diesem Plan erzählen, setzen ihr Vorhaben in die Tat um.

Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Nicht nur, dass ein Vorhaben allein zu wenig ist; auch das daraus resultierende Handeln ist bedauerlicherweise häufig ungenügend. Das liegt keineswegs immer an mangelnden Fähigkeiten, sondern viel öfter noch am falschen Fokus. Nehmen wir als Beispiel die Arbeitswelt:

Dort wird man fast immer für seine Arbeit bezahlt, statt für die Ergebnisse, die man damit erzielt. Unternehmen stellen aber doch Mitarbeiter ein, damit diese dazu beitragen, die Einnahmen des Unternehmens zu sichern und zu steigern. Und diese Einnahmen müssen höher liegen als die Kosten, die der Mitarbeiter verursacht. Nur dann wird das Unternehmen im Wettbewerb bestehen können, nur dann ist es in der Lage, auch weiterhin Löhne zu bezahlen. Deshalb müsste jeder Mitarbeiter im Grunde dafür bezahlt werden, dass er seinen Beitrag zum Überleben und Wachstum des Unternehmens leistet. In der Praxis wird man jedoch überwiegend für Arbeit bezahlt statt für Ergebnisse. Deshalb gibt es immer noch Beschäftigte, die zumindest einen Teil ihrer Zeit auf sinnlose Aktivitäten verwenden. Man wird in erster Linie für Fleiß und Zeit bezahlt, aber weniger für Ergebnisse. Aktivitäten sollten jedoch nicht mit Leistung verwechselt werden.

Leider kommt diese Verwechslung ständig vor, und zwar bei Mitarbeitern genauso wie bei Führungskräften. Das liegt daran, dass sich kaum jemand mit dem Unternehmen und seinen Zielen identifiziert. Man denkt nur an die eigenen Interessen, statt Verantwortung für das Ganze zu übernehmen. Und solange das so bleibt, werden Unternehmen weit hinter dem zurückbleiben, was sie leisten und werden könnten.

Trotz allem glücklich arbeiten

Drei Faktoren haben unsere Arbeitswelt innerhalb relativ kurzer Zeit stark verändert: die Globalisierung, die Liberalisierung der Märkte sowie die Digitalisierung. Für viele Menschen ist nichts Gutes daraus entstanden. Wenn man Menschen über ihre Arbeit sprechen hört, dann gibt es sehr viel mehr Klagen als Jubel. Zahlreiche Studien belegen die Misere Jahr für Jahr aufs Neue. So erbrachte beispielsweise die Bevölkerungsbefragung der ManpowerGroup Deutschland 2017, dass nur 55% der Beschäftigten mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden sind. Die Gallup Engagement Studie belegt alljährlich aufs Neue, dass die Menschen sich immer weniger ihrem Arbeitgeber verbunden fühlen und weit davon entfernt sind, sich mit den Unternehmenszielen zu identifizieren. Der AOK Fehlzeiten Report sowie der DAK-Gesundheitsreport belegen die Folgen menschenfeindlicher Arbeitsbedingungen für die Gesundheit. Zahlreiche andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Die Menge der verordneten Psychopharmaka hat sich zwischen 2008 und 2013 angeblich mehr als verdoppelt. Es gibt noch etliche andere Indikatoren für das weitverbreitete Unglück am Arbeitsplatz…

Das sind bedrückende Zustände. Bedauerlicherweise besitzt keiner von uns die Macht, – ganz gleich, an welcher Stelle er in irgendeiner Hierarchie (ob Wirtschaft oder Politik) sitzen mag – das Steuer herumzureißen. Längst hat sich in der Wirtschaft eine Eigendynamik entwickelt. Wie schützen wir uns davor? Wie schaffen wir es, trotz allem ein gesundes und sogar erfülltes Arbeitsleben zu führen?

Ich behaupte, dass das durchaus möglich ist. Denn das Glück besitzt schließlich immer die Qualität des Trotzdem. Die Umstände werden nie perfekt sein. Ob im Privat- oder Berufsleben – es gibt immer etwas, das uns nicht gefällt und das wir gerne anders hätten. Glück ist, wenn man sich trotzdem freut. Und das ist letzten Endes eine Fertigkeit, die sich entwickeln und kultivieren lässt. In meinem neuen Buch gehe ich ausführlich auf die ungezählten Möglichkeiten ein, mit denen sich der Arbeitstag nicht nur besser durchstehen lässt, sondern sogar mit vielfältigen glücklichen Episoden bereichert werden kann. Der Leser erhält zahlreiche Anregungen, mit denen die eigene Arbeit zu einer positiven Erfahrung wird – trotz allem, was dagegen zu sprechen scheint. Es gibt tatsächlich viele Strategien, mit deren Hilfe wir die Arbeit genießen können statt uns frustriert und entmutigt zu fühlen. Arbeitsfreude ist keineswegs ein Glücksfall, sondern letzten Endes eine spezielle Lebenskunst.

Montagsblues

Wochenanfang. Wenn ich mich auf Facebook durch den Newsfeed scrolle, finde ich jeden Montag viele Posts, deren Verfasser bereits sehnsüchtig auf das kommende Wochenende warten. Sie geben ermutigende Durchhalteparolen aus für alle, die ebenso unlustig an ihre Arbeit gehen und es kaum erwarten können, dass der Freitag vor der Tür steht. Und ich denke mir: Ist euch eigentlich klar, was ihr da tut? Wie ihr eigenhändig eure Chancen auf ein glückliches Arbeitsleben mindert?

Den größten Teil unserer Wachzeit verbringen wir mit unserer Arbeit. Und meistens sogar den besten. Wenn wir gerade nicht am Arbeitsplatz sind, dann befinden wir uns auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Heimweg. Mental beschäftigen wir uns dabei sehr viel mit den Vorgängen, die mit unserer Arbeit verbunden sind, wir denken an unsere Aufgaben, an die Menschen, mit denen wir dort zu tun haben, an unsere Rolle, die wir dort spielen usw. Wir schalten nicht einfach ab, wenn wir nach Hause kommen. Viele verfolgt das Arbeitsgeschehen sogar bis in den Schlaf (wenn sie denn überhaupt welchen finden können). Wie leichtfertig, die Zeit am Arbeitsplatz als etwas zu betrachten, das man überstehen muss, damit anschließend das gute Leben beginnen kann!

Arbeitszeit ist Lebenszeit und will gestaltet werden. Wir brauchen den Gestaltungsprozess, um uns als Menschen vervollkommnen zu können. Indem wir uns einlassen, können wir uns selbst erfahren und wachsen. Arbeit bedeutet nicht nur Aufgabengestaltung und Kompetenzerweiterung, sondern eben auch Persönlichkeitsentwicklung. All jene, die täglich auf den Feierabend warten, bringen sich selbst um diesen Gewinn. Sie überlassen das Steuer anderen und verhalten sich wie hilflose Opfer, wie Ausgelieferte, die alles über sich ergehen lassen müssen und nur darauf hoffen, möglichst bald zu entkommen.

Und noch etwas anderes macht die Arbeitsunlust gefährlich: Denn wir erleben für gewöhnlich genau das, was wir erwarten. Wer überzeugt ist, am Arbeitsplatz Negatives zu erleben, der wird Anlass zum Klagen bekommen – auch wenn die Urheberschaft all der negativen Erfahrungen nicht unbedingt jedem Urheber bewusst sein mag. Aber wer Schlimmes erwartet, stellt unbewusst selbst die Weichen dafür.  „Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten.“ Diese chinesische Weisheit gilt ganz gewiss auch für unseren täglichen Umgang mit der Arbeitswelt.

 

Schwarz oder weiß?

Während unseres Urlaubs in England wurde mir wieder einmal deutlich, wie sehr unser Wohlbefinden von unserer Wahrnehmung abhängt: Wir hatten ein Haus auf dem Land gemietet, zu dem ein riesiger Garten gehört, der von einer hohen Mauer umgeben ist. Haus und Garten weisen ein beträchtliches Alter auf und alle Familienmitglieder waren von der Atmosphäre begeistert. Die Ausstattung des Hauses ist einfach, aber wir kamen prima zurecht. Als mein Mann die Vermieterin nach dem Gästebuch fragte, weil er seine Zufriedenheit  dokumentieren wollte, erhielt er eine überraschende Antwort: Die Vermieterin erklärte nämlich, sie habe das Gästebuch versteckt, weil die Besucher sich immer über Kleinigkeiten beschwert hätten. Viele hätten irgendetwas vermisst und sich darüber ausgelassen – statt die Gesamtatmosphäre zu bewerten.

Ich erkenne darin ein Muster, das mir auch in der Arbeitswelt wieder und wieder begegnet: Man hält sich mit kleineren Unannehmlichkeiten auf, erlaubt ihnen, das Befinden zu bestimmen und verliert darüber das Ganze aus den Augen. Viele Beschäftigte lassen sich ganz leicht in Verwirrung stürzen, wenn man sie danach fragt, was das Gute an ihrer Arbeit wäre. Sie können das Gute nicht mehr sehen und schätzen, weil sie dem Negativen zu viel Raum geben.

Nun liegt es aber in unserem eigenen Ermessen, wie wir die Dinge bewerten und gewichten wollen. Wir werden letzten Endes ganz sicher immer Gründe finden, uns zu beklagen. Es ist aber nicht logisch und zwingend, dass diese Gründe über unser Wohlbefinden bestimmen. Es wäre ebenso gut möglich, dass wir uns stattdessen gezielt auf das Positive ausrichten. Ich kann in diesem Zusammenhang nur wieder einmal John Milton zustimmen: „Der Geist ist eine Welt für sich, in der die Hölle zum Himmel und der Himmel zur Hölle werden kann.“

Kultur schaffen

Jede Organisation hat ihre eigene Kultur. Das führt dazu, dass Erwartungen an eigenes und fremdes Verhalten sehr stark variieren können. Wenn nun Menschen mit solch unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und daraus resultierenden abweichenden Erwartungen plötzlich zusammenarbeiten sollen und womöglich gar zu Kollegen werden – dann sind Missverständnisse und Konflikte keine Seltenheit. Sie sind geradezu vorprogrammiert. Denn das Verhalten des Gegenübers wirkt unangemessen, da es mit großer Selbstverständlichkeit auf der Basis der eigenen und vertrauten Gewohnheiten interpretiert wird. Das Gegenüber verhält sich nach eigener Wahrnehmung nicht „richtig“, was Befremden, Frustration oder auch Wut auslösen kann. Man kann das Verhalten des anderen nicht nachvollziehen und reagiert mit Unmut oder Rückzug. Beides behindert die Zusammenarbeit.

Damit das nicht passiert, sollten sich die Beteiligten bewusst machen, dass sie auf der Basis vergangener Erfahrungen agieren. Sie waren vielleicht über lange Zeit hinweg Teil einer bestimmten Unternehmenskultur, durch die sie geformt worden sind. Jetzt führen sie einfach nur etwas fort, was sich womöglich über viele Jahre bewährt hat. Auch wenn dieses Verhalten auf Außenstehende (die eine andere Unternehmenskultur gewöhnt sind) womöglich befremdlich wirken mag  – es wäre nicht angemessen, irgendetwas persönlich zu nehmen. Man würde es dem anderen ja auch nicht übelnehmen, wenn er aus einem anderen Land käme. Er kommt tatsächlich vielleicht nur aus einem anderen Unternehmen mit einer anderen Kultur. Aber das kann sich genauso trennend auswirken.

Was lässt sich tun? Die beste Methode besteht darin, Kommunikationsprozesse zu verlangsamen, indem man einander immer wieder Rückmeldung gibt. Das bedeutet:

  1. Das Gegenüber muss erfahren, wie ein bestimmtes Verhalten wirkt, d.h. wie es bei den anderen ankommt und welche Gefühle oder Assoziationen es weckt.
  2. Gleichzeitig ist es wichtig, das eigene Verhalten transparent zu machen. Warum wird etwas Bestimmtes gesagt/getan, das möglicherweise auf das Gegenüber befremdlich wirken könnte? Wie sind bestimmte Aussagen gemeint, welche Absicht verfolgt der Sprecher damit?

Wenn sich die Beteiligten in dieser Weise gegenseitig informieren, werden Missverständnisse und unnötige Konflikte vermieden. Es kommt zu einer echten Verständigung. Man kann miteinander aushandeln, wie man bestimmte Dinge in Zukunft gemeinsam klären möchte, um jegliche Missverständnisse zu vermeiden. Ehrliche Rückmeldung fördert Verständnis und Nähe. Gleichzeitig erarbeitet man sich auf diese Weise eine eigene und ganz neue Kultur.

Aufrecht gehen!

Mr. Trump zeigt uns gerade, wie man sich herausredet. Ausreden sind generell sehr beliebt und viele von uns erweisen sich dabei als bemerkenswert fantasievoll (Donald Trump gehört eher nicht dazu…). Man muss wohl erst richtig erwachsen werden, um auf Ausreden verzichten zu können. Denn eine Ausrede demonstriert nichts weiter, als dass man nicht zu sich steht und sich nicht in der Lage fühlt, Verantwortung für die eigene Person zu übernehmen. So etwas ist immer erbärmlich. Und wer gar dabei erwischt wird, erntet bestenfalls ein wenig Mitleid, meistens jedoch eine gehörige Portion Geringschätzung.

Aber nicht nur Ausreden demonstrieren unsere Schwäche. Auch die Bemühungen, das eigene Sein vor  anderen zu verbergen, beweisen, wie schwer es fällt, zu sich selbst zu stehen. Sich zu verbiegen, gehört zum Alltag. Wer wagt es schon, in irgendeiner Weise aufzufallen? Herauszuragen? Wer traut sich schon, im Job seine Überforderung zuzugeben? Wer wehrt sich gegen unzumutbare Zustände oder Unrecht, wenn er sich in einer unterlegenen Position wähnt? Das Dumme ist nur: Wer sich eh schon ängstlich und unterlegen fühlt und sich deswegen duckt, macht die Sache schlimmer. Denn er zementiert damit eigenhändig seine Unterlegenheit.

Wir brauchen mehr Menschen, die aufrecht gehen und es wagen, sich zu zeigen. Die nicht solche Angst davor haben, jemand könnte erkennen, wie sie wirklich sind. Die sich trauen, unvollkommen zu sein, manchmal ängstlich, bedürftig, unsicher, wütend, hilflos, traurig, verletzt, unbeholfen … Wir brauchen mehr Menschen, die all die Seiten in sich zulassen, die niemand so recht an sich leiden kann und die dennoch zu jedem von uns gehören. Wenn wir alles zulassen könnten, was zu uns gehört, dann würde etwas Wunderbares passieren: Dann würde unsere Welt menschlicher (nicht nur die Arbeitswelt!), wir würden damit beginnen, uns endlich ganz zu fühlen. Wir könnten aufrecht gehen und es fiele uns leichter, auch andere gelten zu lassen. Wir müssten nur damit beginnen, ein wenig liebevoller mit uns selbst umzugehen, indem wir uns erlauben, zu sein, was wir sind und aufrecht durchs Leben gehen, ohne Verleugnung, Ausreden und Versteckspiele.

So erfolgreich wie Lucy

Lucy ist unsere kleine einjährige Hündin, die Tochter rumänischer Straßenhunde. Sie ist quirlig, neugierig und immer gut drauf. Neulich habe ich ihr ein Intelligenzspielzeug für Hunde gekauft. Es handelt sich dabei um ein kreisförmiges Spielbrett mit sieben Vertiefungen, in die man kleine Leckereien hineinlegt. Anschließend werden die Vertiefungen auf dreierlei verschiedene Weise abgedeckt. Der Hund muss nun herausfinden, wie er an seine Leckereien herankommt und er muss dabei die drei verschiedenen Mechanismen nutzen.

Das ist nicht ganz einfach, aber Lucy schafft das erheblich schneller als die drei anderen Hunde unseres Rudels. Dabei sind die anderen älter und erfahrener. Wie macht Lucy das? Ganz einfach: Sie probiert in einem Affenzahn alles aus, was ihr einfällt. Sie nutzt dazu ihre Nase, ihre Zähne und ihre Pfoten. Sie hat keine Ahnung, wie die Mechanismen funktionieren, aber das hält sie nicht zurück. Sie legt einfach los. Und macht so lange weiter, bis kein einziges Stück Futter mehr übrig ist.

Offengestanden bewundere ich sie dafür. Denn ihr Ansatz ist erfolgreich. Sie findet ihre Leckereien, und zwar jedesmal und obendrein schnell. Ich kann nicht umhin, ihre Herangehensweise mit der von Menschen zu vergleichen. Dabei kommen wir Menschen nicht besonders gut weg. Wir experimentieren bei weitem nicht so selbstverständlich und munter. Wenn wir vor einem Problem stehen, das wir nicht durchschauen, dann analysieren wir es. Aber dabei stoßen wir mitunter an Grenzen. Und dann sind wir geneigt, das Problem (zumindest vorläufig) für nicht lösbar zu erklären, weil wir es nicht verstanden haben. Wir geben auf, verschieben die Sache womöglich auf unbestimmte Zeit. Und wir wollen auf keinen Fall scheitern. Das halten wir nicht aus. Wir denken, wir seien inkompetent, wenn wir nicht gleich Erfolg haben. Wir finden es peinlich, wenn andere sehen können, dass wir gescheitert sind. Darum experimentieren wir nicht fröhlich drauflos. Lucy macht sehr vieles falsch, wenn sie herumprobiert, wie sie an ihre Leckereien kommt. Aber das kümmert sie kein bisschen. Warum kümmert es uns so sehr? Sollten wir nicht vielmehr mit so viel Spaß und Mut an Neues herangehen wie die kleine Hündin? Was für Erfolge könnten wir dann feiern?! Aber wir sichern uns nach allen Seiten ab, wir wollen den Erfolg sofort oder gar nicht. Tatsächlich ist aber genau das der Unterschied zwischen den Erfolglosen und den Erfolgreichen: Letztere machen immer weiter und geben nicht auf, bis sie es geschafft haben.

Peinlich, peinlich

Wem wäre das noch nicht passiert? Unbedacht stößt man andere vor den Kopf, verletzt die Gefühle einer Person, bereitet jemandem unnötig Umstände, weil man gedankenlos agiert. Wenn einem dann plötzlich klar wird, was man angerichtet hat, ist einem die Angelegenheit ziemlich peinlich. Man weiß genau, dass diese ungute Situation mit ein wenig mehr Achtsamkeit und Umsicht vermeidbar gewesen wäre.

Damit es nicht zu einer nachhaltigen Abbuchung vom Beziehungskonto kommt, empfiehlt es sich, das Malheur in vier Schritten anzugehen:

  1. Sie sollten sich selbst gegenüber zugeben, dass Sie etwas falsch gemacht haben. Manchmal mag es verführerisch sein, den Fehler woanders zu suchen. Manch einer sagt sich dann z.B. etwas wie: „Hätte der andere nicht so blöd …. , dann wäre mir die Sache bestimmt nicht passiert!“ Also ist der andere schuld, weil er vielleicht nicht klar genug war, nicht deutlich genug gemacht hat, was los ist. Aber das ist nichts weiter als eine faule Ausrede. Wenn Sie fremde Gefühle verletzt haben – gleich, aus welchem Grund – sollten Sie auch dazu stehen.
  2. Im nächsten Schritt sollten Sie bereit sein, Ihren Fehler auch dem Betroffenen gegenüber offen zuzugeben. Wer seinen Fehler leugnet oder sich herauszureden versucht, macht die Sache nur schlimmer. Je selbstverständlicher Sie Ihr Fehlverhalten eingestehen, desto selbstverständlicher kann Ihr Gegenüber das Vorgefallene akzeptieren. Denken Sie daran, dass sich jeder von uns manchmal unangemessen und ungeschickt verhält. Das ist nicht gut und auch nicht immer harmlos, aber es kommt vor. Stehen Sie zu sich!
  3. Im nächsten Schritt ist eine Entschuldigung fällig. Aber nicht als Formsache! Ihr Bedauern muss echt sein. Die Entschuldigung muss sich nach einer Herzensangelegenheit anhören! Fühlen Sie sich in den anderen ein, sodass Ihnen völlig klar wird, was Sie angerichtet haben. Dann wird Ihre Bitte um Entschuldigung ganz von allein aufrichtig klingen.
  4. Und schließlich bieten Sie Ihrem Gegenüber nach Möglichkeit eine Wiedergutmachung an. Damit wird die Schuld abgetragen und die Beziehung ist bereinigt.