Mit Hingabe arbeiten

Menschen gehen sehr unterschiedlich an ihre Arbeit heran. Nur eine Minderheit erfährt täglich Freude an der Arbeit. Ich kenne Menschen, die ihre Arbeit zügig erledigen, um sich ihre Aufgaben so schnell wie möglich vom Hals zu schaffen. Andere machen viel Aufhebens um wenig Arbeit und ziehen die Erledigung ihrer Aufgaben unnötig in die Länge. Wieder andere drücken sich, wo sie nur können. Und dann gibt es natürlich noch diejenigen, die mit zusammengebissenen Zähnen ihre Pflicht tun. Letzten Endes hat jeder von uns so seine eigene Art, sich mit seinen Aufgaben auseinanderzusetzen.

Flow als Glücksquelle

Es gibt eine Möglichkeit, das Optimum aus dem beruflichen Tun herauszuholen, über die viel zu wenig gesprochen wird. Wir kennen diese Möglichkeit aber alle. Jeder von uns hat sie in Kindertagen ausgiebig genutzt. Ich spreche hier vom sogenannten Flow. Darunter versteht man das völlige Aufgehen im eigenen Tun, die Hingabe an eine Tätigkeit. Als Kinder haben wir das ganz selbstverständlich beherrscht. Wir konnten so intensiv spielen, dass wir alles um uns herum vergessen haben.

Flow ist ein wirklich bemerkenswerter Zustand, eine Art von Rausch. Dabei verbinden sich größtes Leistungsvermögen mit intensiver Glückserfahrung. Flow ist Hingabe und Selbstvergessenheit, höchste Konzentration und intensive Lebendigkeit. Wer so arbeitet, erlebt sein Tun an sich als wertvoll und lohnend. Die Tätigkeit wird nicht als Mittel zum Zweck empfunden. Es geht vielmehr um das reine und nicht zweckorientierte Tun – auch wenn uns natürlich allen klar ist, dass Arbeit auf einer geschäftlichen Vereinbarung beruht und entlohnt wird.

Acht Merkmale von Flow-Erleben

Dieser besondere Zustand, bei dem sich Glück und Leistung auf einzigartige Weise verbinden, ist inzwischen wissenschaftlich ganz gut untersucht. Hier hat sich vor allem der Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi hervorgetan. Er konnte acht Komponenten identifizieren, die für Flow-Erlebnisse charakteristisch sind:

1. Klare Ziele

Es scheint unbedingt erforderlich zu sein, dass wir beim Arbeiten ein klares Bewusstsein für den nächsten Schritt haben müssen, wenn wir Flow erleben wollen. Es genügt nicht, dass das Endziel klar definiert ist. Denn nur die kleinen Teilziele ermöglichen uns vollkommene Präsenz. Haben wir hingegen das Fernziel im Blick, können wir nicht im Augenblick verhaftet sein. Aber die Freude am Tun ist immer eine Sache des Jetzt. Die Konzentration muss deshalb immer dem Ziel des Augenblicks gelten. Worum geht es in diesem Moment?

2. Unmittelbares Feedback

Damit der Handlungsfluss nicht unterbrochen wird, brauchen wir sofortige Rückmeldung über unser Tun. So ergibt sich jeder Arbeitsschritt aus dem vorhergehenden. Viele Tätigkeiten liefern unmittelbar das nötige Feedback. Dazu gehören beispielsweise Arbeiten mit einem Computerprogramm. Wenn wir dabei einen Fehler machen, funktioniert der Prozess nicht und das ist meist schnell ersichtlich. In solch einem Fall wird man sich sofort auf die Fehlersuche begeben und es noch einmal probieren. Das Tun ist im Fluss.

3. Passende Herausforderungen

Weder bei Unter- noch bei Überforderung kann Flow entstehen. Im ersten Fall wäre Langeweile die natürliche Folge, im zweiten Stress. Deswegen brauchen wir Herausforderungen, die zu den vorhandenen Ressourcen passen. Die Aufgabe muss anspruchsvoll sein und uns einiges abverlangen, aber wir müssen in der Lage sein, sie letztendlich zu bewältigen. So können wir das eigene Potenzial zur vollen Entfaltung bringen. Das erleben wir für gewöhnlich als äußerst befriedigend.

4. Intensive Konzentration

Flow kommt nur zustande, wenn wir uns auf eine Herausforderung voll und ganz einlassen. Erst, wenn wir uns vollständig vertiefen, uns nichts mehr ablenken kann, verschmelzen wir mit unserer Aufgabe. Das Bewusstsein ist völlig vom eigenen Tun bestimmt und es gibt daneben nichts anderes mehr.

5. Gegenwartsbezogenheit

Flow existiert nur im Augenblick. Die Vergangenheit spielt keine Rolle, ebenso wenig die Zukunft. Ob beispielsweise der Chef mit der Arbeitsleistung am Ende zufrieden sein wird, ist für den Augenblick des Tuns völlig irrelevant. Man taucht in eine andere Welt ab, in der nur noch diese eine Sache zählt, nämlich die vorliegende Aufgabe. Nichts anderes ist für den Augenblick von Bedeutung.

6. Subjektive Kontrolle

Flow entsteht nur, wenn wir das sichere Gefühl haben, der Herausforderung gewachsen zu sein. Wenn wir uns selbst als kompetent und stark wahrnehmen, wenn die Gedanken klar sind und das Handeln auf das Ziel ausgerichtet wird.

7. Verändertes Zeitgefühl

Da wir beim Flow nur unsere jeweilige Aufgabe wahrnehmen und alles andere um uns herum ausblenden, verändert sich meist auch das Zeitgefühl. Oft scheint die Zeit zu fliegen – und man wird dann beispielsweise vom Feierabend überrascht. Aber auch das Gegenteil ist möglich: Dann ziehen sich Minuten ins scheinbar Endlose. Das hängt von der jeweiligen Aktivität ab. Es ist aber auf jeden Fall ratsam, sich einen entsprechend großen Zeitrahmen zu sichern, bevor man mit der Aufgabe beginnt.

8. Aussetzen des Ich-Bewusstseins

Wer in seiner Aufgabe aufgeht, vergisst sich darüber schnell selbst. Dann existiert kein Bewusstsein mehr für die eigenen Wünsche, Sorgen, Pläne oder Verpflichtungen. Solange unsere Aufmerksamkeit ausschließlich der betreffenden Aufgabe gilt, sind wir von all dem befreit. Es ist ein unbeschwerter Zustand, der als sehr beglückend erlebt wird. Das Ich scheint vorübergehend ausgelöscht. Endet das Fließen, dann fühlt sich das mitunter an wie das Erwachen aus einem tiefen Schlaf und man fühlt sich entsprechend erfrischt und gestärkt. Untersuchungen haben sogar gezeigt, dass Menschen, die häufiger im Flow-Zustand arbeiten, ein höheres Selbstwertgefühl aufweisen.

Mehr Lebens- und Arbeitsqualität durch Flow

Flow-Erlebnisse verbessern ohne Frage nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Arbeitsleistung. Daran kann kein Zweifel bestehen. Dennoch gibt es im Arbeitsalltag der meisten von uns wenig Gelegenheit für derartige Erfahrungen. Es scheint vor allem wichtig zu sein, dass Beschäftigte alle Vorgaben erfüllen. Sie werden an ihre Arbeitsumgebung angepasst. Deswegen erleben viele von uns ihre Arbeit als notwendiges Übel und warten schon am Montag auf das kommende Wochenende. Das ist sehr bedauerlich. Denn letzten Endes besitzt die Arbeit das Potenzial, ein intensives Gefühl von Lebendigkeit und Glück hervorzurufen.

Wenn Sie mit Ihrer Arbeit unzufrieden sind und nicht recht wissen, wie Sie das ändern können, dann klicken Sie einfach auf den Hilfe-Button und machen einen Termin für ein kostenloses Gespräch mit mir. Lassen Sie uns miteinander reden und herausfinden, wie Sie mehr Freude bei der Arbeit haben können.

Arbeit und Glück

Es gibt tatsächlich Menschen, die völlig davon überzeugt sind, dass Arbeit und Glück ein Gegensatzpaar bilden. Wer glücklich sein will, darf nicht arbeiten, und wer arbeitet, kann nicht gleichzeitig glücklich sein. So meinen sie. Und ich gebe zu, dass es manchmal nicht ganz einfach ist, sein Glück in der Arbeit zu finden.

Glückshemmende Faktoren

Inzwischen erscheinen regelmäßig Studien, die klar belegen, was uns bei der Arbeit am meisten zu schaffen macht und warum wir uns so schwer damit tun, die Arbeit zu mögen. Sehr häufig sind es die Führungskräfte, die den Menschen die Freude an der Arbeit nehmen. Man wirft ihnen beispielsweise vor, dass sie keinen Blick für ihre Mitarbeiter haben, ihnen für ihre Leistungen zu wenig Anerkennung zollen. Deshalb schrieb Reinhard Sprenger in seinem Buch „Mythos Motivation“:

Nichts demotiviert so gründlich wie die soziale Inkompetenz des unmittelbar Vorgesetzten.

Aber das ist natürlich bei weitem nicht alles, was den Beschäftigten das Leben schwer macht. Sie vermissen nicht nur Wertschätzung, sondern auch viele andere Dinge: die Loyalität ihres Arbeitgebers, ein gutes Betriebsklima, den Sinn ihrer Arbeit usw. Die vielzitierte Gallup Engagement Studie zeigt deshalb regelmäßig auf, dass nur etwa 15% der Beschäftigten eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitsplatz und Arbeitgeber haben.

Arbeitsfreude und Motivation – trotz allem

Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass viele von uns jeden Grund haben, sich über ihre Arbeit zu beschweren. Aber was nutzt das? Wer sich beklagt und all das Unbefriedigende in den Vordergrund rückt, schadet sich selbst damit nur noch mehr. Schlimm genug, dass die Zustände zu wünschen übrig lassen. Wir sollten uns nicht noch zusätzlich damit quälen, dass wir uns auf all das Ungute fixieren, das uns bei der Arbeit begegnet.

Denn letzten Endes wollen wir alle das Gleiche: ein erfülltes und glückliches Leben. Konzentrieren wir uns auf unsere Unzufriedenheit, machen wir es nur noch schlimmer. Denn das, womit sich unser Geist beschäftigt, das wird wachsen. Es bekommt Immer mehr Raum in unserem Denken und Fühlen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir uns nicht auf die Missstände konzentrieren, sondern auf unsere Möglichkeiten, trotz allem glücklich zu sein. Arbeitsfreude ist grundsätzlich möglich, aber sie ergibt sich nicht immer von allein. Wir müssen selbst dafür sorgen, dass die Arbeit wieder Freude macht.

Eine Entscheidung treffen

Es geht nicht darum, dass wir so tun, als sei alles in Ordnung. Meine Empfehlung lautet nicht, sich die Situation am Arbeitsplatz schön zu reden. Ich empfehle vielmehr, sich nicht einseitig auf all das Negative und Unbefriedigende zu konzentrieren. Zumal es nicht in unserer Macht liegt, jedes Ärgernis aus dem Weg zu räumen. Meine Empfehlung lautet vielmehr: Schärfe deinen Blick für das Gute, das da ist. Entscheide dich dafür, dein Glück in deine eigenen Hände zu nehmen und für glückliche Momente bei der Arbeit zu sorgen – obwohl du dich ebensogut über manches beklagen und darüber unglücklich sein könntest. Gib einfach den negativen Faktoren nicht gedankenlos so viel Macht über dich!

Wissen, wie’s geht

Um sich glücklich fühlen zu können, bedarf es nicht irgendwelcher glücklicher Umstände. Das Glück ist eine Eigenleistung. Aber um diese Leistung erbringen zu können, ist es wichtig, etwas über die Natur des Glücklichseins zu wissen. Mir scheinen hier vor allem zwei Dinge bedeutsam zu sein:

  1. Das Glück hat stets die Qualität des Trotzdem. Wir dürfen mit dem Glücklichsein nicht warten, bis irgendwann alle Dinge in Ordnung gekommen sind. Das wird vermutlich niemals passieren. Glück ist, wenn man sich trotzdem freut.
  2. Das Glück ist stets episodisch. Es gibt kein Dauerglück. Es liegt nicht in unserer Natur, pausenlos glücklich zu sein. Deswegen werden wir auch an einem befriedigenden und glücklichen Arbeitstag immer Momente haben, in denen wir uns nicht glücklich fühlen. Keiner von uns wird es schaffen, von Arbeitsbeginn bis Arbeitsende ununterbrochen in Hochstimmung zu sein.

Die Aufgabe

Deshalb lautet die Aufgabe für alle, die glücklich arbeiten wollen:

Sieh zu, dass du im Laufe jedes Arbeitstages so viele glückliche Episoden wie möglich schaffst!

Diese Aufgabe ist für jeden von uns lösbar. Wir können unzählige Möglichkeiten entdecken, für einen Augenblick glücklich zu sein – auch wenn es Faktoren bei der Arbeit gibt, die dem Glück entgegenstehen. Wir müssen nur anfangen, danach Ausschau zu halten. Wenn wir den Fokus verändern, wenn wir also nicht länger die negativen Faktoren ins Visier nehmen, sondern nach Glücksmomenten suchen, werden wir jeden Tag mit mehr Freude arbeiten können. Glück ist kein Hokuspokus, sondern eine Frage des Fokus!

 

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Regie führen!

Es entspricht einer typischen Alltagserfahrung, dass manche Situationen starke negative Gefühle auslösen können. Das passiert im Arbeitsleben nicht seltener als anderswo. Wir fühlen uns dann tief gekränkt, empfinden unbändige Wut u.ä. Es liegt nicht in unserer Macht, das Entstehen derartiger Gefühle zu verhindern. Sie sind plötzlich da, nehmen überfallartig von uns Besitz. Sie können schmerzen, verwirren und bewirken mitunter, dass wir uns selbst kaum wiedererkennen. Es scheint so, als würde da etwas mit uns geschehen, auf das wir keinen Einfluss haben.

Und wir können auch tatsächlich nicht darüber entscheiden, welches Gefühl in welcher Situation in uns hochkommen soll. In dieser Hinsicht sind wir Ausgelieferte. Bestimmte Außenreize lösen geradezu reflexartig entsprechende Gefühle aus.

Wir sind deshalb aber keineswegs Opfer unserer Gefühlswelt. Denn obwohl wir nicht frei über unser Empfinden entscheiden können, so besitzen wir doch immerhin die Freiheit, über unser Handeln zu entscheiden. Gefühle lösen keineswegs reflexartig bestimmte Handlungen aus. Es liegt in unserer Entscheidungsgewalt, was wir tun und wie wir auf die betreffende Situation reagieren wollen. Das unterscheidet uns von allen anderen Lebewesen auf dieser Welt.

Denn wir sind unseren Impulsen nicht ausgeliefert. Es besteht keine zwangsläufige Verknüpfung zwischen dem Empfinden und unserem Tun. Wir alle kennen negative und schmerzliche Gefühle. Wir teilen die Erfahrung von Gekränktheit, Trauer, Wut, Empörung, Verzweiflung und dergleichen. Unsere Identität bildet sich im Umgang mit diesen Gefühlen. Was bewirken sie in uns? Welchen Einfluss haben sie auf das Handeln?

Hier zeigt sich der Charakter. Und für mich gilt in diesem Zusammenhang eine simple und universelle Regel: Handle stets so wie die Person, die du sein möchtest! Egal, was uns widerfährt: Es ist immer eine gute Idee, erst einmal innezuhalten, sich selbst und die Situation zu reflektieren und sich anschließend für eine Handlung bewusst zu entscheiden; eine Handlung, hinter der wir mit ganzer Person stehen können. Denn auf diese Wiese brauchen wir uns niemals hilflos und ausgeliefert zu fühlen. Wir sind Regisseure, keine Opfer. Zudem erhalten uns unsere Würde. Und das ist das Wichtigste überhaupt.

Wie brutal ist unsere Arbeitswelt?

Kürzlich war ich Gast in einer Talkshow und hatte dort Gelegenheit, über „mein“ Thema zu sprechen. Als Expertin für Arbeitsfreude bin ich überzeugt, dass wir uns nicht zu viel Frust und Unglück am Arbeitsplatz leisten sollten. Statt dessen sollten wir lernen, auch unter suboptimalen Bedingungen jeden Tag glückliche Momente zu schaffen. Glück ist nun mal eine Eigenleistung und sie hat stets die Qualität des Trotzdem. Wir dürfen mit dem Glücklichsein nicht warten, bis eines Tages vielleicht alles um uns herum in Ordnung gekommen ist. Vielmehr müssen wir die Arbeit auch dann genießen, wenn wir ebenso Grund hätten, uns zu beklagen. Letzten Endes geht es dabei um Selbstmanagement und die Frage, welchen Faktoren in unserem Leben wir wie viel Macht über uns geben und wie frei wir innerlich sind.

Es gibt ein kurzes Video über meinen Auftritt in der Talkshow, das ich in den sozialen Medien geteilt habe. Ich war darauf gefasst, dass mir nicht jeder zustimmt. Allerdings war ich dann trotzdem überrascht, wie tief die Bitterkeit über die bestehenden Arbeitsverhältnisse bei einigen Menschen doch ist. Sogar, wenn sie einen hochqualifizierten Job machen. Es leuchtet ein, dass es schwieriger ist, seinen Job zu lieben, wenn man im Schlachthaus zum Mindestlohn beschäftigt wird und jeden Tag knöcheltief in Blut watet. Aber offenbar erleben auch gut ausgebildete Menschen, die in einem gepflegten Büro sitzen, ähnliche Frustration. Eine Kommentatorin schrieb beispielsweise: „Glück am Arbeitsplatz“ – finde den Fehler!

Andere sprachen vom „deutschen Mobbing System“ (was auch immer das bedeuten mag) oder davon, dass Arbeit Sklaverei sei. Und obwohl ich die Gründe für Unzufriedenheit und Frustration nicht in Frage stelle, bleibe ich doch dabei: Jeder hat die Verantwortung für sein Glück und kann selbst entscheiden, welchen Faktoren er in seinem Leben Macht über sich geben will. Das Glück ist niemals ein Dauerglück, es kann nur episodisch sein. Grundsätzlich gibt uns jeder Job die Chance auf glückliche Momente. Es liegt an uns selbst, ob wir diese Chancen nutzen.

Arbeit als Kunstwerk

Für den Philosophen Michel Foucault besteht das größte Ziel menschlicher Existenz darin, das eigene Leben zum Kunstwerk zu machen. Grundsätzlich bietet die Arbeit die denkbar besten Voraussetzungen dafür. Denn Arbeit erfordert fortwährende Aktivität und liefert uns somit reichlich Gestaltungsräume.

Ego und Selbst

Der Alltag sieht aber anders aus: Dort pflegen wir das Ego, jenen Teil unserer Identität, der von Etiketten und Rollenverhalten bestimmt ist. Das bedeutet: Wir funktionieren sehr gut. Wir reflektieren und hinterfragen wenig, denn wir wollen vor allem Erwartungen erfüllen. Wir tun all die vernünftigen Dinge, die notwendig und angemessen erscheinen. Das ist zwar wichtig, aber zu wenig für ein erfülltes Leben. Wir brauchen mehr. Nietzsche warnte eindringlich davor, sich zu sehr von außen bestimmen zu lassen. Er fürchtete, dass viel zu viele von uns bereits Sklaven der drei „M“ geworden sind: des Moments, der Meinung und der Mode. Statt zu uns selbst zu finden und aus uns selbst zu schöpfen, erlauben wir Fremden, uns zu definieren und zu lenken. So kommt es, dass die meisten von uns ein oberflächliches und fremdbestimmtes Arbeitsleben führen.

Die Alternative wäre, ganz gezielt ein Selbst zu entwickeln. Es existiert nicht von Anfang an, es stellt vielmehr eine bewusste Konstruktion dar. Das Selbst ist mächtiger und autonomer als das Ego. Das Selbst ist in der Lage, das Ego zu beobachten und zu reflektieren. Erst das Selbst macht uns zu unverwechselbaren Individuen. Das Selbst wird gestaltet und gepflegt, es lässt sich durch Übung festigen.

Die Bedeutung des Selbst

Wer über ein Selbst verfügt, arbeitet anders: Er weiß genau, welche Person er sein möchte, welche Werte er vertritt, was ihm wichtig ist, was er tun muss, um sich selbst achten zu können. Ohne ein Selbst lässt sich der Mensch ganz einfach instrumentalisieren. Das kann in jeder Hinsicht in die Katastrophe führen, weshalb Nietzsche mahnt, die Erde werde zu einer „Wiese des Unheils“, wenn wir es versäumen, ein Selbst zu entwickeln. Ohne Selbst entsteht ein Arbeitsleben ohne innere Beteiligung. Dann bleibt nur das Warten auf den Feierabend in der Hoffnung, wenigstens dort wahrhaftige Lebendigkeit zu erfahren. Eine vergebliche Hoffnung; denn wer im Arbeitsleben kein Selbst besitzt, wird es auch in der Freizeit vermissen. Das führt zur Suche nach Ersatzbefriedigungen. Viele finden sie im Konsum.

Anders sieht es hingegen aus, wenn das Selbst Regie führt. Dann wird man zum Schöpfer, man orientiert sich an eigenen Maßstäben und kann auf diese Weise Erfüllung finden. Die Entwicklung des Selbst ist reine Lebenskunst. Es entsteht ein Bewusstsein für das eigene Sein. Das ermöglicht uns, sofort zu erkennen, wenn wir uns nicht im Einklang mit uns selbst befinden. Und genau das bewahrt uns davor, zum willfährigen Werkzeug anderer zu werden. So wird auch die Arbeit authentischer gelebt und gestaltet. Man weiß ganz einfach, wer man ist und richtet das eigene Handeln danach aus. Wer hierbei konsequent ist, ruht in sich und ist gegen schädliche Einflüsse geschützt. Er gewinnt täglich an Form, Kraft, Gelassenheit und Freude. Am Ende des Tages fühlt man sich rechtschaffen müde statt ausgelaugt und erschöpft. Und wer schließlich zu allem „ja“ sagen kann, was er während des Tages getan, gedacht und gefühlt hat, wird immer gut schlafen können.

Nur das Ergebnis zählt!

Irgendwo habe ich einmal den Satz gelesen: „Mit dem, was man zu tun vorhat, kann man sich keinen Namen machen.“ Die Wahrheit dieses Satzes erlebe ich regelmäßig, wenn ich bei einer Veranstaltung als Autorin vorgestellt werde und mir dann anschließend jemand berichtet, er selbst habe auch vor, ein Buch zu schreiben. Ich fürchte, nicht mal 10% derjenigen, die mir von diesem Plan erzählen, setzen ihr Vorhaben in die Tat um.

Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Nicht nur, dass ein Vorhaben allein zu wenig ist; auch das daraus resultierende Handeln ist bedauerlicherweise häufig ungenügend. Das liegt keineswegs immer an mangelnden Fähigkeiten, sondern viel öfter noch am falschen Fokus. Nehmen wir als Beispiel die Arbeitswelt:

Dort wird man fast immer für seine Arbeit bezahlt, statt für die Ergebnisse, die man damit erzielt. Unternehmen stellen aber doch Mitarbeiter ein, damit diese dazu beitragen, die Einnahmen des Unternehmens zu sichern und zu steigern. Und diese Einnahmen müssen höher liegen als die Kosten, die der Mitarbeiter verursacht. Nur dann wird das Unternehmen im Wettbewerb bestehen können, nur dann ist es in der Lage, auch weiterhin Löhne zu bezahlen. Deshalb müsste jeder Mitarbeiter im Grunde dafür bezahlt werden, dass er seinen Beitrag zum Überleben und Wachstum des Unternehmens leistet. In der Praxis wird man jedoch überwiegend für Arbeit bezahlt statt für Ergebnisse. Deshalb gibt es immer noch Beschäftigte, die zumindest einen Teil ihrer Zeit auf sinnlose Aktivitäten verwenden. Man wird in erster Linie für Fleiß und Zeit bezahlt, aber weniger für Ergebnisse. Aktivitäten sollten jedoch nicht mit Leistung verwechselt werden.

Leider kommt diese Verwechslung ständig vor, und zwar bei Mitarbeitern genauso wie bei Führungskräften. Das liegt daran, dass sich kaum jemand mit dem Unternehmen und seinen Zielen identifiziert. Man denkt nur an die eigenen Interessen, statt Verantwortung für das Ganze zu übernehmen. Und solange das so bleibt, werden Unternehmen weit hinter dem zurückbleiben, was sie leisten und werden könnten.

Trotz allem glücklich arbeiten

Drei Faktoren haben unsere Arbeitswelt innerhalb relativ kurzer Zeit stark verändert: die Globalisierung, die Liberalisierung der Märkte sowie die Digitalisierung. Für viele Menschen ist nichts Gutes daraus entstanden. Wenn man Menschen über ihre Arbeit sprechen hört, dann gibt es sehr viel mehr Klagen als Jubel. Zahlreiche Studien belegen die Misere Jahr für Jahr aufs Neue. So erbrachte beispielsweise die Bevölkerungsbefragung der ManpowerGroup Deutschland 2017, dass nur 55% der Beschäftigten mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden sind. Die Gallup Engagement Studie belegt alljährlich aufs Neue, dass die Menschen sich immer weniger ihrem Arbeitgeber verbunden fühlen und weit davon entfernt sind, sich mit den Unternehmenszielen zu identifizieren. Der AOK Fehlzeiten Report sowie der DAK-Gesundheitsreport belegen die Folgen menschenfeindlicher Arbeitsbedingungen für die Gesundheit. Zahlreiche andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Die Menge der verordneten Psychopharmaka hat sich zwischen 2008 und 2013 angeblich mehr als verdoppelt. Es gibt noch etliche andere Indikatoren für das weitverbreitete Unglück am Arbeitsplatz…

Das sind bedrückende Zustände. Bedauerlicherweise besitzt keiner von uns die Macht, – ganz gleich, an welcher Stelle er in irgendeiner Hierarchie (ob Wirtschaft oder Politik) sitzen mag – das Steuer herumzureißen. Längst hat sich in der Wirtschaft eine Eigendynamik entwickelt. Wie schützen wir uns davor? Wie schaffen wir es, trotz allem ein gesundes und sogar erfülltes Arbeitsleben zu führen?

Ich behaupte, dass das durchaus möglich ist. Denn das Glück besitzt schließlich immer die Qualität des Trotzdem. Die Umstände werden nie perfekt sein. Ob im Privat- oder Berufsleben – es gibt immer etwas, das uns nicht gefällt und das wir gerne anders hätten. Glück ist, wenn man sich trotzdem freut. Und das ist letzten Endes eine Fertigkeit, die sich entwickeln und kultivieren lässt. In meinem neuen Buch gehe ich ausführlich auf die ungezählten Möglichkeiten ein, mit denen sich der Arbeitstag nicht nur besser durchstehen lässt, sondern sogar mit vielfältigen glücklichen Episoden bereichert werden kann. Der Leser erhält zahlreiche Anregungen, mit denen die eigene Arbeit zu einer positiven Erfahrung wird – trotz allem, was dagegen zu sprechen scheint. Es gibt tatsächlich viele Strategien, mit deren Hilfe wir die Arbeit genießen können statt uns frustriert und entmutigt zu fühlen. Arbeitsfreude ist keineswegs ein Glücksfall, sondern letzten Endes eine spezielle Lebenskunst.

Montagsblues

Wochenanfang. Wenn ich mich auf Facebook durch den Newsfeed scrolle, finde ich jeden Montag viele Posts, deren Verfasser bereits sehnsüchtig auf das kommende Wochenende warten. Sie geben ermutigende Durchhalteparolen aus für alle, die ebenso unlustig an ihre Arbeit gehen und es kaum erwarten können, dass der Freitag vor der Tür steht. Und ich denke mir: Ist euch eigentlich klar, was ihr da tut? Wie ihr eigenhändig eure Chancen auf ein glückliches Arbeitsleben mindert?

Den größten Teil unserer Wachzeit verbringen wir mit unserer Arbeit. Und meistens sogar den besten. Wenn wir gerade nicht am Arbeitsplatz sind, dann befinden wir uns auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Heimweg. Mental beschäftigen wir uns dabei sehr viel mit den Vorgängen, die mit unserer Arbeit verbunden sind, wir denken an unsere Aufgaben, an die Menschen, mit denen wir dort zu tun haben, an unsere Rolle, die wir dort spielen usw. Wir schalten nicht einfach ab, wenn wir nach Hause kommen. Viele verfolgt das Arbeitsgeschehen sogar bis in den Schlaf (wenn sie denn überhaupt welchen finden können). Wie leichtfertig, die Zeit am Arbeitsplatz als etwas zu betrachten, das man überstehen muss, damit anschließend das gute Leben beginnen kann!

Arbeitszeit ist Lebenszeit und will gestaltet werden. Wir brauchen den Gestaltungsprozess, um uns als Menschen vervollkommnen zu können. Indem wir uns einlassen, können wir uns selbst erfahren und wachsen. Arbeit bedeutet nicht nur Aufgabengestaltung und Kompetenzerweiterung, sondern eben auch Persönlichkeitsentwicklung. All jene, die täglich auf den Feierabend warten, bringen sich selbst um diesen Gewinn. Sie überlassen das Steuer anderen und verhalten sich wie hilflose Opfer, wie Ausgelieferte, die alles über sich ergehen lassen müssen und nur darauf hoffen, möglichst bald zu entkommen.

Und noch etwas anderes macht die Arbeitsunlust gefährlich: Denn wir erleben für gewöhnlich genau das, was wir erwarten. Wer überzeugt ist, am Arbeitsplatz Negatives zu erleben, der wird Anlass zum Klagen bekommen – auch wenn die Urheberschaft all der negativen Erfahrungen nicht unbedingt jedem Urheber bewusst sein mag. Aber wer Schlimmes erwartet, stellt unbewusst selbst die Weichen dafür.  „Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten.“ Diese chinesische Weisheit gilt ganz gewiss auch für unseren täglichen Umgang mit der Arbeitswelt.

 

Schwarz oder weiß?

Während unseres Urlaubs in England wurde mir wieder einmal deutlich, wie sehr unser Wohlbefinden von unserer Wahrnehmung abhängt: Wir hatten ein Haus auf dem Land gemietet, zu dem ein riesiger Garten gehört, der von einer hohen Mauer umgeben ist. Haus und Garten weisen ein beträchtliches Alter auf und alle Familienmitglieder waren von der Atmosphäre begeistert. Die Ausstattung des Hauses ist einfach, aber wir kamen prima zurecht. Als mein Mann die Vermieterin nach dem Gästebuch fragte, weil er seine Zufriedenheit  dokumentieren wollte, erhielt er eine überraschende Antwort: Die Vermieterin erklärte nämlich, sie habe das Gästebuch versteckt, weil die Besucher sich immer über Kleinigkeiten beschwert hätten. Viele hätten irgendetwas vermisst und sich darüber ausgelassen – statt die Gesamtatmosphäre zu bewerten.

Ich erkenne darin ein Muster, das mir auch in der Arbeitswelt wieder und wieder begegnet: Man hält sich mit kleineren Unannehmlichkeiten auf, erlaubt ihnen, das Befinden zu bestimmen und verliert darüber das Ganze aus den Augen. Viele Beschäftigte lassen sich ganz leicht in Verwirrung stürzen, wenn man sie danach fragt, was das Gute an ihrer Arbeit wäre. Sie können das Gute nicht mehr sehen und schätzen, weil sie dem Negativen zu viel Raum geben.

Nun liegt es aber in unserem eigenen Ermessen, wie wir die Dinge bewerten und gewichten wollen. Wir werden letzten Endes ganz sicher immer Gründe finden, uns zu beklagen. Es ist aber nicht logisch und zwingend, dass diese Gründe über unser Wohlbefinden bestimmen. Es wäre ebenso gut möglich, dass wir uns stattdessen gezielt auf das Positive ausrichten. Ich kann in diesem Zusammenhang nur wieder einmal John Milton zustimmen: „Der Geist ist eine Welt für sich, in der die Hölle zum Himmel und der Himmel zur Hölle werden kann.“

Kultur schaffen

Jede Organisation hat ihre eigene Kultur. Das führt dazu, dass Erwartungen an eigenes und fremdes Verhalten sehr stark variieren können. Wenn nun Menschen mit solch unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und daraus resultierenden abweichenden Erwartungen plötzlich zusammenarbeiten sollen und womöglich gar zu Kollegen werden – dann sind Missverständnisse und Konflikte keine Seltenheit. Sie sind geradezu vorprogrammiert. Denn das Verhalten des Gegenübers wirkt unangemessen, da es mit großer Selbstverständlichkeit auf der Basis der eigenen und vertrauten Gewohnheiten interpretiert wird. Das Gegenüber verhält sich nach eigener Wahrnehmung nicht „richtig“, was Befremden, Frustration oder auch Wut auslösen kann. Man kann das Verhalten des anderen nicht nachvollziehen und reagiert mit Unmut oder Rückzug. Beides behindert die Zusammenarbeit.

Damit das nicht passiert, sollten sich die Beteiligten bewusst machen, dass sie auf der Basis vergangener Erfahrungen agieren. Sie waren vielleicht über lange Zeit hinweg Teil einer bestimmten Unternehmenskultur, durch die sie geformt worden sind. Jetzt führen sie einfach nur etwas fort, was sich womöglich über viele Jahre bewährt hat. Auch wenn dieses Verhalten auf Außenstehende (die eine andere Unternehmenskultur gewöhnt sind) womöglich befremdlich wirken mag  – es wäre nicht angemessen, irgendetwas persönlich zu nehmen. Man würde es dem anderen ja auch nicht übelnehmen, wenn er aus einem anderen Land käme. Er kommt tatsächlich vielleicht nur aus einem anderen Unternehmen mit einer anderen Kultur. Aber das kann sich genauso trennend auswirken.

Was lässt sich tun? Die beste Methode besteht darin, Kommunikationsprozesse zu verlangsamen, indem man einander immer wieder Rückmeldung gibt. Das bedeutet:

  1. Das Gegenüber muss erfahren, wie ein bestimmtes Verhalten wirkt, d.h. wie es bei den anderen ankommt und welche Gefühle oder Assoziationen es weckt.
  2. Gleichzeitig ist es wichtig, das eigene Verhalten transparent zu machen. Warum wird etwas Bestimmtes gesagt/getan, das möglicherweise auf das Gegenüber befremdlich wirken könnte? Wie sind bestimmte Aussagen gemeint, welche Absicht verfolgt der Sprecher damit?

Wenn sich die Beteiligten in dieser Weise gegenseitig informieren, werden Missverständnisse und unnötige Konflikte vermieden. Es kommt zu einer echten Verständigung. Man kann miteinander aushandeln, wie man bestimmte Dinge in Zukunft gemeinsam klären möchte, um jegliche Missverständnisse zu vermeiden. Ehrliche Rückmeldung fördert Verständnis und Nähe. Gleichzeitig erarbeitet man sich auf diese Weise eine eigene und ganz neue Kultur.