Mitdenken lassen!

Heute war ich mit unserem Welpen in der Hundeschule und hatte Anlass zum Staunen: Wir wurden nicht nur aufgefordert, unseren Hunden mit der Leine ein klares Signal zu geben, sondern ermahnt, dann erst mal gar nichts zu tun und dem Hund Zeit zu lassen, selbstständig dieses Signal zu verarbeiten, will heißen: mitzudenken.

Unsere Lucy ist erst wenige Monate alt und sie ist ein Hund! Ich soll ihr das wirklich zutrauen?!

Ja, soll ich, und es funktioniert! Signal geben, Klappe halten, den Hund mitdenken lassen. Der zieht hundertprozentig seine Schlüsse. Würde ich ihn aber ständig vollquatschen, wäre er vom Denken abgelenkt.

Wenn mein jugendlicher und ziemlich winziger Hund das schafft – warum schaffen das nicht auch die Menschen in der Arbeitswelt??? Die warten überwiegend auf Anweisungen und sind bemüht, bloß alle Regeln zu befolgen, um nicht unangenehm aufzufallen. Das ist das Ergebnis jahrelanger Erziehung. „Tu, was man dir sagt“, lautet die Devise von Anfang an. In der Schule wird fehlerfreies Reproduzieren von Lerninhalten belohnt. „Diskutier hier nicht schon wieder rum !“, bekommt so mancher Teenager zu hören. Natürlich gibt es Gründe dafür, dass wir unsere Kinder so erziehen – aber auch dagegen!

Was wäre wohl, wenn Mitarbeiter nicht nur mitarbeiten, sondern auch mitdenken würden? Ich fürchte, vor dem Hintergrund einer Erziehung, die auf Anpassung ausgerichtet ist, müsste man viele Mitarbeiter explizit immer wieder dazu ermutigen. Bei einigen wird man damit Erfolg haben und sie aus der Lethargie des Gehorsams aufwecken. Ich wage nicht vorauszusagen, was dann genau passieren würde. Viele hätten dann sicher mehr Freude an ihrer Arbeit. Aber vielleicht wären einige dann bald keine Mitarbeiter mehr…

Eines weiß ich aber gewiss: Ein Leben, in dem der eigene Kopf mitwirkt, ist würdevoller, erfüllter und lebenswerter als ein Leben in Anpassung und Gehorsam. Nicht nur bei Hunden.

Vom Fluch der Evolution

Gefühle waren einst Handlungsimpulse. Das ist heute noch spürbar: Wer beispielsweise überrascht ist, zieht die Augenbrauen hoch. Unsere Vorfahren konnten sich so ein größeres Blickfeld verschaffen, das es ihnen erlaubte, mehr wahrzunehmen und gegebenenfalls schneller zu reagieren. Angst ließ unsere Vorfahren flüchten oder erstarren – und diese Reaktion konnte unter Umständen ihr Leben retten. Wut verlieh ihnen die Kraft zum Kampf und so konnten sie ihr Leben und ihre Ressourcen verteidigen.

Aber was taten sie, wenn sie glücklich waren? Vermutlich dasselbe, was wir heute tun: Wir genießen unser Glück, aber tun aus dem Glücksgefühl heraus nichts Lebensrettendes. Glück führt aus Sicht der Evolution nicht unmittelbar zum Erhalt der Art. Aus diesem Grund hat die Evolution es so eingerichtet, dass wir Negatives weit schneller und intensiver empfinden als Positives. Für die Arterhaltung macht das Sinn.

Heute leben wir aber in einem völlig anderen Umfeld als unsere Vorfahren. Wir können negative Gefühle nicht mehr impulsiv ausleben. Es ist nicht erlaubt, dem nervenden Kollegen eine Ohrfeige zu verpassen; es empfiehlt sich nicht, vor dem Zahnarzt und seinem Bohrer davon zu laufen… Wir haben nach wie vor negative Gefühle, können sie aber nicht wie unsere Vorfahren unmittelbar für unser Überleben nutzen. Sie werden zum gefährlichen Ballast, wenn wir nicht achtgeben. Wer bei seiner Arbeit vor allem Negatives wahrnimmt und sich davon beherrschen lässt, verliert nicht nur seine Arbeitsfreude und Lebensqualität, sondern zuweilen auch seine Gesundheit.

Deswegen ist es wichtig, dass wir Gefühlsmanagement betreiben. Wir können den negativen Gefühlseinflüssen etwas entgegensetzen und sie damit unschädlich machen. Das Prinzip ist einfach:

  • Negative Empfindungen dämpfen: z.B. Negativem die Aufmerksamkeit entziehen, negative Gedanken in Frage stellen
  • Positive Empfindungen kultivieren: z.B. Positives bewusster wahrnehmen oder gar gezielt für positive Erfahrungen sorgen

Für den Arbeitsalltag bedeutet das: Wir sollten uns nicht auf all die Anlässe zur Unzufriedenheit  fixieren, sondern bewusst das Gute im Job wahrnehmen. Wir können auch gezielt etwas für gute Gefühle tun: z.B. freundlich zu anderen sein, denn die Evolution belohnt das Gutsein mit glücklichen Gefühlen. Zudem kommt Freundlichkeit meist zurück. Oder wir können interessante Herausforderungen suchen, denn dann besteht die Chance auf Flow. Wir können kleine Auszeiten nehmen, die uns guttun, eine Plauderei mit einer netten Person, eine schöne Tasse Kaffee etc. Alles ist besser, als sich negativen Gefühlen einfach zu überlassen.

Profil zeigen!

Zu meinem Profil gehört das Engagement für mehr Arbeitsfreude. Ich setze mich auf vielerlei Weise dafür ein, dass Menschen Wege finden, ihre Arbeit zu genießen. Und ich kenne zahlreiche Wege, auf denen das funktioniert. Ich selbst liebe meine Arbeit, arbeite viel und gerne. Ich kenne auch die wissenschaftlichen Untersuchungen, die erklären können, warum Arbeit grundsätzlich wichtig für unsere Psyche ist. Daher stehe ich erkennbar für ein erfüllteres Arbeitsleben. Meine Überzeugung, dass wir bewusster und mit mehr Begeisterung arbeiten könnten, macht mich angreifbar, weil ich meine Haltung auch öffentlich mache. Ich zeige ein klares Profil, und wer Profil zeigt, macht sich unweigerlich angreifbar.

Natürlich ist es nicht schön, angegriffen zu werden. Nicht jeder Angreifer argumentiert sachlich. Die Angelegenheit wird schnell persönlich. Das muss man aushalten und manche Kritik einfach abschütteln können. Denn was wäre die Alternative?

Wir brauchen doch Menschen, die für etwas stehen! Es kann nicht darum gehen, dass wir tagsüber unsere Arbeitszeit absitzen, stets mit Blick auf die Uhr, und dann am Feierabend unser Vergnügen suchen. Solch eine Existenz erscheint mir leer. Wir sind hier, um das Leben zu gestalten, uns einzubringen. Ich liebe diesen Satz von Karlfried Graf Dürckheim: „Es steht der Mensch in einem doppelten Auftrag: Die Welt zu gestalten im Werk und zu reifen auf dem inneren Weg.“

Und genau das wünsche ich mir: Mehr Menschen, die gestalten und Ideen haben, Menschen die erkennbar für etwas stehen, sich einsetzen, ein deutliches Profil zeigen – wir haben schon viel zu viele, die unsichtbar sind, weil sie funktionieren und gehorchen…

 

Der eigene Stil

„I did it my way“, sang Frank Sinatra einst. Aber was bedeutet es, einen eigenen Stil zu haben? Und warum sollte das erstrebenswert sein?

Menschen mit Stil fallen auf. Sie heben sich von der Masse ab. Sie zeigen Persönlichkeit, und genau so bringen sie sich auch ein: mit einer für sie typischen Art. Sie sind auf ganz unangestrengte Weise originell. Unverwechselbar eben. Menschen mit Stil haben Werte/Vorlieben/Eigenheiten und dazu stehen sie. Es verunsichert sie nicht, wenn andere ihre Werte nicht teilen oder an ihren Eigenheiten Anstoß nehmen. Sie bleiben ihrem Kurs treu – mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt. Nicht jeder wird den unverwechselbaren Stil eines solchen Menschen zu schätzen wissen, aber es ist schwer, stilvollen Menschen den Respekt zu versagen. Ihre selbstsichere Individualität imponiert. Dieter Bohlen ist ein gutes Beispiel dafür. Seit vielen Jahren besitzt er einen hohen Bekanntheitsgrad und er hat ganz sicher einen eigenen Stil, aber längst nicht jeder bringt ihm dafür Sympathie entgegen. Dieter Bohlen scheint das nicht zu interessieren. Er folgt unbeirrt seinem eigenen Kurs und ist damit sogar außerordentlich erfolgreich.

Warum lohnt sich der eigene Kurs? Es geht sicher nicht darum, so erfolgreich zu werden wie ein Dieter Bohlen. Der eigene Stil schenkt uns vielmehr eine große Unabhängigkeit und Gelassenheit. Menschen mit Stil fragen sich nicht ständig, ob sie genügen und alles richtig machen. Sie passen sich nicht gedankenlos an, versuchen erst gar nicht, es allen recht zu machen und stellen keine Vergleiche an, um sich zu bestätigen. Sie machen selbstsicher ihr Ding und fühlen sich damit wohl. Sie brauchen niemandem etwas beweisen, sie haben es nicht nötig, um Bestätigung zu betteln. Es ist ein innerer Geisteszustand und er setzt zwei Dinge voraus: eine gute Selbstkenntnis und eine gehörige Portion Selbstakzeptanz.

Auf dieser Basis wird der eigene Stil zu einer großartigen Sache. Denn so finden wir zu uns selbst und werden ganz. Die Welt braucht noch viel mehr solcher Menschen.

„Authentisch“ ist kein Luxus

In der Arbeitswelt scheint Verstellung zum Alltag zu gehören. Man hat den Eindruck, als wäre Unaufrichtigkeit Teil der beruflichen Rolle. Selbstverständlich ist es nicht ratsam, sich hemmungslos gehen zu lassen und das eigene Verhalten blindlings von Impulsen bestimmen zu lassen. Dennoch sollten wir uns selbst treu bleiben – egal, was kommt.

Denn Verstellung ist anstrengend und gefährlich. Anstrengend, weil wir ständig etwas in uns unterdrücken müssen, wenn wir nicht authentisch agieren. Nicht sagen zu dürfen, was man denkt, etwas darzustellen, was man nicht ist – das macht einen enormen Energieaufwand erforderlich. Diese Energie fehlt dann anderswo und kann beispielsweise nicht der Arbeit zugutekommen. Zudem gelingt das Schauspiel nicht zuverlässig. Denn ohne dass wir es bemerken, entschlüpfen uns verräterische Signale. Unkontrollierte Mimik, ein kleines Zögern im entsprechenden Augenblick, die falsche Stimmlage, die nicht zur Aussage passt – diese und ähnliche Signale werden uns unweigerlich früher oder später verraten. Sie wirken auf die Umgebung mitunter sehr irritierend, weil Aussagen und Körpersprache nicht zusammenpassen.

Gefährlich ist die Verstellung vor allem deshalb, weil wir uns selbst fremd werden, wenn wir zu oft eine Rolle spielen. Da wir erst gar nicht mehr danach fragen, was wir wirklich fühlen und wollen, sondern nur noch damit beschäftigt sind, unsere Rolle so gut wie möglich auszufüllen, verlieren wir uns selbst aus dem Blick. Dann ist es nicht mehr möglich, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und gut für sich selbst zu sorgen. Manch einer fühlt sich unzufrieden und innerlich leer, ohne recht zu wissen, warum.

Wir sollten uns also treu bleiben. Für konfliktträchtige Situationen empfehle ich soziales Geschick und die Kunst der Diplomatie. So ist nicht nur gewährleistet, dass unsere eigenen Interessen und Bedürfnisse Berücksichtigung finden können, sondern wir sind auch eher in der Lage, eigene Ideen und Werte in die Arbeit einzubringen. Und das kann zu einem Gewinn für alle Beteiligten werden.

Die Mär vom richtigen Moment

Wann ist der richtige Moment für eine weitreichende Entscheidung? Wie erkennt man z.B., dass es Zeit ist, eine Familie zu gründen oder den Job zu wechseln? Wie lange soll man in einer unbefriedigenden Situation verharren und wann ist der Zeitpunkt gekommen, endlich einmal Tacheles zu reden? Vermutlich hat jeder von uns schon irgendwann auf den passenden Moment gewartet und wir alle wissen, wie schwer es sein kann, ihn zu finden.

Manchmal hält die Mär vom richtigen Zeitpunkt uns davon ab, überhaupt zu handeln und etwas zu verändern. Wir warten auf den perfekten Moment, aber er kommt nicht. Denn es gibt wohl kaum eine Entscheidung, die völlig frei von Ambivalenzen ist. So sehr wir auch etwas verändern möchten – immer scheint etwas dagegen zu sprechen, dass wir es wirklich tun. Ich weiß nicht, wie viele Menschen ich in den letzten Jahren in der Beratung hatte, weil sie entscheidungsunfähig waren… Sie wussten, dass sie etwas ändern wollten und warteten auf den perfekten Moment.

Warum haben wir solche Angst, einfach mal zu tun, wonach uns der Sinn steht? Warum zögern wir so lange? Der Grund liegt wohl darin, dass wir solche Angst davor haben, das Vertraute aufzugeben ohne etwas Besseres dafür zu bekommen. Wir fürchten den Verlust und warten deshalb auf den Moment, zu dem der Tausch „Altes gegen Neues“ zu einem sicheren Geschäft wird. Aber dafür gibt es niemals eine Garantie. Denn jede unserer Entscheidungen basiert zwangsläufig auf Unwägbarkeiten. Alles, was wir tun und entscheiden, ist riskant, auch das Verharren.

Den perfekten Moment für eine Veränderung gibt es nicht. Unsicherheiten und Unwägbarkeiten werden uns ein Leben lang begleiten, in jedem Bereich unseres Lebens. Wir sollten uns am besten von der Vorstellung verabschieden, dass es darauf ankommt, alles richtig zu machen und dass eine „falsche“ Entscheidung einer Katastrophe gleichkommt. Denn das stimmt so nicht. Es kommt nicht darauf an, immer richtig zu entscheiden, sondern darauf, lebendig zu sein, Erfahrungen zu machen, im Leben nicht stehenzubleiben. Jede „falsche“ Entscheidung bringt eine Menge neuer Erfahrungen mit sich und lässt uns reifen. Wir fühlen uns lebendig, wir erleben etwas, wir entwickeln uns weiter. Das alles ist im höchsten Maße lustvoll – sogar dann, wenn die Entscheidung „falsch“ war. Im Leben geht es darum, unterwegs zu sein, statt in Sicherheit und Berechenbarkeit zu verharren. Wer Entscheidungen trifft, wird unvermeidlich „Fehler“ machen, das heißt, er erzeugt unerwünschte Effekte. Das gehört dazu, wenn man wahrhaft lebendig sein will..

Tür zu!

Wir genießen so viel Freiheit wie nie zuvor in der menschlichen Geschichte. Jeden Tag stehen uns unermesslich viele Möglichkeiten offen, es gibt unzählige attraktive Optionen. Doch auch wenn die Alternativen grenzenlos sind, unsere Lebenszeit ist es nicht. Wir sind gezwungen, zu wählen und zu entscheiden, welche der Möglichkeiten wir nutzen wollen.

Das ist schwer. Denn mit jeder Entscheidung, die wir FÜR etwas treffen, entscheiden wir fast immer auch GEGEN eine oder mehrere attraktive Alternativen. Das fühlt sich oftmals nicht gut an, weshalb wir bemüht sind, uns so viele Optionen wie möglich offen zu halten. Und genau damit tun wir uns nichts Gutes. Denn wer sich alle Optionen bewahren will, findet keine Orientierung und kann seine Energien nicht bündeln. Er verliert sich schnell im Dickicht der Alternativen.

Wir kommen um Entscheidungen nicht herum: Welche Türen wollen wir offen lassen und welche wollen wir schließen? Bei dieser Frage geht es um Lebensgestaltung. Wir können nicht alles sein, tun und haben. Wie ein Bildhauer Überschüssiges abschlägt, damit sein Kunstwerk hervortreten kann, so müssen auch wir bereit sein, uns von Überflüssigem zu befreien. Nur so kann das Wesentliche in unserem Leben Gestalt gewinnen. Wir modellieren unser Leben aus der Masse der Möglichkeiten heraus.

Es kann schmerzlich sein, eine Tür für immer zuzuschlagen und zu entscheiden, dass der eigene Weg an dieser Möglichkeit vorbeiführen soll. Aber keiner von uns wird genug Zeit haben, um all das Schöne und Bereichernde in dieser Welt genießen zu können. Wir müssen uns auf ein paar Dinge beschränken und diese dann intensiv nutzen und auskosten. Wir alle müssen uns entscheiden, wie wir leben wollen und welchen Dingen/Situationen/Menschen wir in unserem Leben einen Platz geben wollen. Wer sich klug entscheidet, wird seine Erfüllung finden. Dann gibt es kein Bedauern wegen all der ungenutzten Möglichkeiten. Denn das eigene Leben ist ja reich – und mehr als Erfüllung geht ohnehin nicht.

Falsch entschieden? Macht nix!

Wir neigen in unserer Gesellschaft fast alle ein wenig zum Perfektionismus. Wir wollen alles möglichst gut machen. Dazu gehört auch die Angst vor falschen Entscheidungen. Wir wollen keine Entscheidung bereuen müssen. Ich beobachte beispielsweise jedes Jahr aufs Neue die Angst der Eltern, beim Schulwechsel ihrer Kinder etwas anderes als die allerbeste Schule auszusuchen. Im beruflichen Coaching bin ich laufend mit den Entscheidungsnöten meiner Kunden konfrontiert. Man will ja nichts falsch machen.

Natürlich sind Leichtfertigkeit oder gar Tollkühnheit nicht empfehlenswert. Aber die ewige Angst vor Fehlentscheidungen kostet unendlich viel Energie und führt zuweilen sogar zu einer Lähmung. „Soll ich beim Meeting meine Meinung sagen oder vorsichtshalber still bleiben?“ ist ein Beispiel dafür. Wer aus Angst vor Gegenwind lieber nichts sagt, hat keinen Einfluss auf das Geschehen und muss dann mit den Entscheidungen der anderen leben. Und dem Bewusstsein, feige gehandelt zu haben. Und er wird nie wissen, was passiert wäre, wenn er den Mund aufgemacht und Stellung bezogen hätte.

Ich plädiere deshalb für mehr Risikobereitschaft. Eine Prise Abenteuerlust. Wir müssen nicht alles richtig entscheiden. Wir machen ohnehin unvermeidlich Fehler. Das ist nicht so gefährlich wie die meisten von uns glauben. Denn auch nach einem Fehler geht es immer weiter. Manche Fehlentscheidungen lassen sich sogar revidieren. Aus Fehlentscheidungen geht man klüger hervor. Aus Fehlern entsteht regelmäßig auch etwas Gutes, denn nichts ist eindeutig. Wir müssen nur unseren Blick für das Gute im Schlechten schärfen.

Wer im Leben vorankommen will, muss auf jeden Fall bereit sein, seine Fehlerquote deutlich zu erhöhen. Dazu gehören ganz sicher auch Fehlentscheidungen.

Beharrlich und flexibel

Auf Facebook habe ich kürzlich den Satz gelesen: „Wenn der Plan nicht funktioniert, ändere den Plan, aber niemals das Ziel.“

Was wie Entschlossenheit und Stärke daherkommt, ist in Wirklichkeit eine Dummheit. Denn es stimmt zwar, dass Beharrlichkeit eine unverzichtbare Eigenschaft darstellt, wenn man große und lohnende Ziele verwirklichen will. Ich mag dieses Zitat von Calvin Coolidge, und es beeindruckt mich immer wieder aufs Neue: „Nothing in this world can take the place of persistence. Talent will not; nothing is more common than unsuccessful men with talent. Genius will not; unrewarded genius is almost a proverb. Education will not; the world is full of educated failures. Persistence and determination alone are omnipotent.“

Das sind starke Worte. Und dennoch: Beharrlichkeit kann sehr gefährlich werden, wenn blinde Sturheit daraus wird. Denn neben der Beharrlichkeit brauchen wir Flexibilität. Wir müssen in der Lage sein, auch reizvolle Ziele aufzugeben. Weil wir unterwegs feststellen, dass der Preis zu hoch ist; oder dass wir das Ziel falsch eingeschätzt haben; oder dass wir uns selbst falsch eingeschätzt haben. Auch Ziele haben ein Verfallsdatum… Hinzu kommt, dass wir nicht allmächtig sind. Manchmal können wir bestimmte Ziele nicht erreichen, weil sie nicht im Bereich unserer Möglichkeiten liegen.

Für Ziele gilt (wie für anderes auch) das Prinzip des Sowohl-als auch: Wir brauchen sowohl Beharrlichkeit, um ehrgeizige Ziele zu erreichen als auch die nötige Flexibilität, um ein Ziel aufzugeben, sobald wir merken, dass es nicht stimmig ist.

Information oder Intuition?

Diese Woche war ich mit einer Aufgabe konfrontiert, die mich zunächst völlig überforderte. Was tun? Natürlich erst einmal Informationen sammeln. Davon gibt es reichlich. Vor allem das Internet ist eine unerschöpfliche Fundgrube. Hinzu kommen all die Menschen, die bereitwillig Tipps geben und eigene Erfahrungen beisteuern können. An Informationsmaterial herrscht nun wirklich kein Mangel.

Das Ergebnis: Eine Nacht mit sehr wenig Schlaf. Die Angst, Fehler zu machen und Schaden anzurichten. Zweifel an meinen Informationsquellen. Es stimmt nämlich nicht, dass viele Informationen automatisch zu guten Entscheidungen führen. In meinem Fall gab es widersprüchliche Informationen aus unterschiedlichen Quellen. Ich war erst einmal irritiert.

Schließlich habe ich intuitiv entschieden und scheine damit richtig zu liegen. Jedenfalls hat sich der gewünschte Erfolg eingestellt. Mein Fazit:

  1. Experten sind nicht so schlau und vertrauenswürdig, wie man glauben möchte.
  2. Die eigene Verwirrung lässt sich mit der Zahl der Informationen steigern.
  3. Ein Mehr an Informationen ist kein Garant für bessere Entscheidungen.
  4. Intuitive Entscheidungen können den rational getroffenen Entscheidungen durchaus überlegen sein.
  5. Manchmal muss man einfach etwas wagen.