So erfolgreich wie Lucy

Lucy ist unsere kleine einjährige Hündin, die Tochter rumänischer Straßenhunde. Sie ist quirlig, neugierig und immer gut drauf. Neulich habe ich ihr ein Intelligenzspielzeug für Hunde gekauft. Es handelt sich dabei um ein kreisförmiges Spielbrett mit sieben Vertiefungen, in die man kleine Leckereien hineinlegt. Anschließend werden die Vertiefungen auf dreierlei verschiedene Weise abgedeckt. Der Hund muss nun herausfinden, wie er an seine Leckereien herankommt und er muss dabei die drei verschiedenen Mechanismen nutzen.

Das ist nicht ganz einfach, aber Lucy schafft das erheblich schneller als die drei anderen Hunde unseres Rudels. Dabei sind die anderen älter und erfahrener. Wie macht Lucy das? Ganz einfach: Sie probiert in einem Affenzahn alles aus, was ihr einfällt. Sie nutzt dazu ihre Nase, ihre Zähne und ihre Pfoten. Sie hat keine Ahnung, wie die Mechanismen funktionieren, aber das hält sie nicht zurück. Sie legt einfach los. Und macht so lange weiter, bis kein einziges Stück Futter mehr übrig ist.

Offengestanden bewundere ich sie dafür. Denn ihr Ansatz ist erfolgreich. Sie findet ihre Leckereien, und zwar jedesmal und obendrein schnell. Ich kann nicht umhin, ihre Herangehensweise mit der von Menschen zu vergleichen. Dabei kommen wir Menschen nicht besonders gut weg. Wir experimentieren bei weitem nicht so selbstverständlich und munter. Wenn wir vor einem Problem stehen, das wir nicht durchschauen, dann analysieren wir es. Aber dabei stoßen wir mitunter an Grenzen. Und dann sind wir geneigt, das Problem (zumindest vorläufig) für nicht lösbar zu erklären, weil wir es nicht verstanden haben. Wir geben auf, verschieben die Sache womöglich auf unbestimmte Zeit. Und wir wollen auf keinen Fall scheitern. Das halten wir nicht aus. Wir denken, wir seien inkompetent, wenn wir nicht gleich Erfolg haben. Wir finden es peinlich, wenn andere sehen können, dass wir gescheitert sind. Darum experimentieren wir nicht fröhlich drauflos. Lucy macht sehr vieles falsch, wenn sie herumprobiert, wie sie an ihre Leckereien kommt. Aber das kümmert sie kein bisschen. Warum kümmert es uns so sehr? Sollten wir nicht vielmehr mit so viel Spaß und Mut an Neues herangehen wie die kleine Hündin? Was für Erfolge könnten wir dann feiern?! Aber wir sichern uns nach allen Seiten ab, wir wollen den Erfolg sofort oder gar nicht. Tatsächlich ist aber genau das der Unterschied zwischen den Erfolglosen und den Erfolgreichen: Letztere machen immer weiter und geben nicht auf, bis sie es geschafft haben.

Peinlich, peinlich

Wem wäre das noch nicht passiert? Unbedacht stößt man andere vor den Kopf, verletzt die Gefühle einer Person, bereitet jemandem unnötig Umstände, weil man gedankenlos agiert. Wenn einem dann plötzlich klar wird, was man angerichtet hat, ist einem die Angelegenheit ziemlich peinlich. Man weiß genau, dass diese ungute Situation mit ein wenig mehr Achtsamkeit und Umsicht vermeidbar gewesen wäre.

Damit es nicht zu einer nachhaltigen Abbuchung vom Beziehungskonto kommt, empfiehlt es sich, das Malheur in vier Schritten anzugehen:

  1. Sie sollten sich selbst gegenüber zugeben, dass Sie etwas falsch gemacht haben. Manchmal mag es verführerisch sein, den Fehler woanders zu suchen. Manch einer sagt sich dann z.B. etwas wie: „Hätte der andere nicht so blöd …. , dann wäre mir die Sache bestimmt nicht passiert!“ Also ist der andere schuld, weil er vielleicht nicht klar genug war, nicht deutlich genug gemacht hat, was los ist. Aber das ist nichts weiter als eine faule Ausrede. Wenn Sie fremde Gefühle verletzt haben – gleich, aus welchem Grund – sollten Sie auch dazu stehen.
  2. Im nächsten Schritt sollten Sie bereit sein, Ihren Fehler auch dem Betroffenen gegenüber offen zuzugeben. Wer seinen Fehler leugnet oder sich herauszureden versucht, macht die Sache nur schlimmer. Je selbstverständlicher Sie Ihr Fehlverhalten eingestehen, desto selbstverständlicher kann Ihr Gegenüber das Vorgefallene akzeptieren. Denken Sie daran, dass sich jeder von uns manchmal unangemessen und ungeschickt verhält. Das ist nicht gut und auch nicht immer harmlos, aber es kommt vor. Stehen Sie zu sich!
  3. Im nächsten Schritt ist eine Entschuldigung fällig. Aber nicht als Formsache! Ihr Bedauern muss echt sein. Die Entschuldigung muss sich nach einer Herzensangelegenheit anhören! Fühlen Sie sich in den anderen ein, sodass Ihnen völlig klar wird, was Sie angerichtet haben. Dann wird Ihre Bitte um Entschuldigung ganz von allein aufrichtig klingen.
  4. Und schließlich bieten Sie Ihrem Gegenüber nach Möglichkeit eine Wiedergutmachung an. Damit wird die Schuld abgetragen und die Beziehung ist bereinigt.

Kaltherzigkeit als Normalfall?

Gestern habe ich noch am späten Abend meine Wochenendeinkäufe im Supermarkt erledigt. Während ich an der Kasse Teil für Teil aufs Band legte, stand hinter mir ein junger Mann, ca. 30 Jahre, der nur eine Getränkedose aufs Band stellte. Er wartete geduldig, während ich weiter den Inhalt meines Einkaufswagens aufs Band packte.
Ich habe ihm dann angeboten, mit seiner Dose einfach vorzugehen. Das schien mir vernünftig und angemessen. Und dann ist etwas passiert, was mich sehr gerührt hat:
Der junge Mann wirkte nicht so, als gehörte er zu den Gewinnern in unserer Gesellschaft. Als ich ihn vorließ, war er sehr überrascht und hat sich gleich mehrfach bedankt, so, als hätte ich ihm ein großes Geschenk gemacht und nicht bloß eine kleine Geste der Freundlichkeit erwiesen. Ich konnte an seinen Reaktionen deutlich erkennen, dass er es nicht gewohnt war, mit kleinen Gesten der Freundlichkeit bedacht zu werden. Und genau das hat mich nachdenklich und traurig gemacht.
Es ist so leicht, ein bisschen aufmerksam und freundlich zu sein. Und man bewirkt damit so viel. Warum ist uns solch ein Verhalten nicht selbstverständlich?

Gerade in der Arbeitswelt weht vielerorts ein sehr rauer Wind. Jeder ist auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Den eigenen Vorteil im Blick zu haben, ist nicht grundsätzlich falsch. Aber muss das zwangsläufig bedeuten, dass Warmherzigkeit, Großzügigkeit und Freundlichkeit ausgeschlossen sind? Es arbeitet sich definitiv erheblich angenehmer in einem Klima gegenseitigen Wohlwollens. Es müsste also im Interesse jedes Menschen liegen, ein positives Klima am Arbeitsplatz zu schaffen, denn die Unkultur, die in so vielen Organisationen herrscht, schadet allen. Letzten Endes verbringen wir den besten Teil unserer Wachzeit am Arbeitsplatz. Soll diese Zeit etwa geprägt sein von Kälte und Rücksichtslosigkeit? Welcher Mensch mit klarem Verstand möchte denn unter solchen Umständen arbeiten?!

Vom Arbeitssklaven zum geschätzten Mitarbeiter

Liebe Leser und Abonnenten,

in der Arbeitswelt wird viel geklagt und ich persönlich habe den Eindruck gewonnen, dass vielerorts die Arbeitsbedingungen sehr unbefriedigend sind. Menschen werden häufig als reine Produktionsmittel betrachtet und auch so behandelt. Für alle Beschäftigten (gleich, ob Mitarbeiter oder Führungskraft), die sich zu wenig gesehen, wahrgenommen, gewürdigt und ernstgenommen fühlen, habe ich eine neue Facebook-Gruppe gegründet.

Wenn Sie mehr Einfluss und mehr Respekt an Ihrem Arbeitsplatz genießen wollen, dann lade ich Sie herzlich ein, meiner Coaching-Gruppe „Vom Arbeitssklaven zum geschätzten Mitarbeiter“ beizutreten.

Ja, ich möchte mehr Einfluss und Respekt genießen! (klick)

In dieser Gruppe gibt es nicht nur einen regen Austausch, sondern Sie erhalten auch die Unterstützung, die Sie brauchen, um Ihren Status am Arbeitsplatz zu verbessern und auf diese Weise die Arbeit mehr genießen zu können. Ziel ist es, dass Sie die Wertschätzung erfahren, die Sie verdient haben und damit zugleich Ihre Einflussmöglichkeiten vergrößern. Auf diese Weise wird Ihre Arbeitszufriedenheit steigen und die Arbeit wird erfüllender.

Ich selbst werde in der Facebook-Gruppe laufend Fragen beantworten und nützlichen Input liefern, um gezielt für Mehrwert zu sorgen.

Klingt das gut? Dann sind Sie herzlich eingeladen, jetzt der Gruppe beizutreten:

Vom Arbeitssklaven zum geschätzten Mitarbeiter (klick)

Ich freue mich, Sie in der Gruppe willkommen zu heißen.

Mit herzlichen Grüßen

Marion Lemper-Pychlau

 

Machtvoll handeln!

Macht ist ein Aspekt jeder zwischenmenschlichen Beziehung, sei sie beruflich oder privat. Das lässt sich weder leugnen noch diskutieren. Um so erstaunlicher, dass es Menschen gibt, die mit Macht nichts zu tun haben wollen oder nicht wahrhaben wollen, dass sie mächtig sind. Sie nutzen ihre Spielräume nicht und verschenken die Chance, Einfluss zu nehmen.

Neben der formellen Macht, die hierarchisch definiert ist, gibt es die informelle Macht, die oft noch sehr viel wirksamer ist. Denn nicht die offizielle Rolle entscheidet über die Machtfrage. Wie mächtig jemand tatsächlich ist, hängt vielmehr davon ab, welchen Machtumfang der Betreffende anstrebt und wie entschlossen er dabei agiert. Niemand ist wirklich machtlos. Es existieren zahllose Möglichkeiten, Dinge im eigenen Sinn zu beeinflussen. Macht kennt viele Spielarten. Sie kann offen oder verdeckt ausgeübt werden, kann Kampf oder heimliche Manipulation sein, kopflose Aggression oder wohlüberlebte Taktik.

Wir stehen der Macht allzu oft skeptisch gegenüber. Viel zu viele Menschen sind unentschlossene Zauderer. Statt vorzutreten und tatkräftig anzupacken, machen sie sich unsichtbar und warten ab. Manch einer hält es gar grundsätzlich für verwerflich, Macht auszuüben oder auch nur danach zu streben. In Wahrheit ist Macht weder gut noch schlecht. Sie stellt lediglich ein unverzichtbares Werkzeug dar, um ein Ziel zu verfolgen. Wer keine Macht besitzt, wird nichts ausrichten können. Natürlich besteht immer die Gefahr des Machtmissbrauchs, aber letzten Endes ist es ein Kennzeichen der guten Dinge, dass man sie missbrauchen kann.

Wer leichtfertig auf die Ausübung seiner Macht verzichtet, schafft damit nicht etwa einen machtfreien Raum, sondern überträgt lediglich seine eigene Macht auf andere. Er drückt sich vor der Verantwortung, will nichts entscheiden und für nichts geradestehen. Wir brauchen jedoch in allen Bereichen des Lebens Menschen, die bereit sind, die Dinge in die Hand zu nehmen, Entscheidungen zu treffen und dafür die Verantwortung zu tragen. Wir müssen bereit sein für die Macht, wenn wir die Dinge zum Guten verändern wollen.

Aus diesem Grund kann die Arbeitswelt keine passiven Mitarbeiter brauchen. Ein Angestelltenverhältnis entbindet nicht von der Verantwortung für das Ganze!

Lebendig arbeiten!

Im Restaurant: Am Nachbartisch sitzen zwei Männer im vorgerückten Alter. Sie sprechen über den Ruhestand. Der eine meint: „Noch zwei Jahre. Dann hab ich’s geschafft!“ Der andere daraufhin: „Ich kann schon nächstes Jahr aufhören.“ Und der erste kommentiert: „Du hast es gut.“

Fast vergeht mir der Appetit. Ich fühle mich bedrückt. Was sind das für traurige Menschen am Nebentisch! Wie kann man so leben, frage ich mich. Da steht man morgens auf und sagt sich: „Ich gehe jetzt zur Arbeit und erwarte, bis zum Feierabend zu leiden.“ Und diese Menschen denken, sie müssten erst alt werden, damit endlich ihr Leben beginnen kann.

Ich verfluche den Begriff „Work-Life-Balance“ und die Wahrnehmung dahinter. Nein, es gibt keine Zweiteilung in unserem Leben! Das Leben findet jeden Augenblick statt und will gestaltet werden. Arbeit ist genauso Leben wie die Freizeit. Und wer, wie diese beiden Männer, glaubt, er würde in einem Käfig stecken und deshalb darauf wartet, dass ihm endlich mal die Tür ins Freie geöffnet wird, der hat ganz einfach nicht begriffen, worum es in diesem Leben geht. Jede Minute muss in irgendeiner Form gestaltet werden. Ich kann mich entscheiden, ob ich meine Arbeitszeit als Opfer absitze oder mich einbringe.

Und wenn ich schon die Wahl habe, dann bin ich doch sehr fürs Einbringen. Auch wenn es für mich manchmal unbequem ist. Auch wenn ich damit anecke. Ich will mitdenken, mitreden, mitgestalten, mit Verantwortung tragen, Stellung beziehen, mir auch mal Feinde machen. Ich will spüren, dass ich lebe, indem ich Herausforderungen suche. Wer seine Zeit absitzt und auf die Rente wartet, hat selbst Schuld an seiner Leblosigkeit und seinem Elend. Ihm ist wohl nicht zu helfen. Er will es so. Aber dann soll er, bitteschön, nicht seinen Arbeitgeber dafür verantwortlich machen.

Auszeit!

Nach etlichen Wochen, in denen ich auch das Wochenende durchgearbeitet hatte, habe ich mir kürzlich eine Auszeit gegönnt und bin für einen Tag weggefahren. Einfach so, irgendwohin, wo es schön ist. Bei meiner Rückkehr hatte ich ein sonderbares Gefühl:

Meine Probleme, mit denen ich mich derzeit herumschlage, schienen kleiner geworden zu sein. Die Räume daheim waren zwar vertraut, aber plötzlich fiel mir auf, dass ich ein paar Dinge verändern sollte. Insgesamt war meine Stimmung anders, ich stand mehr über den Dingen.

Abstand ermöglicht eine andere Perspektive. Eine ziemlich banale Binsenweisheit. Komisch nur, dass wir sie uns im Alltag so selten zunutze machen! Stattdessen glauben wir, auf jede Situation sofort reagieren zu müssen. Nicht selten passiert das spontan und unreflektiert. Wir setzen uns selbst unter Druck statt zu sagen: „Darüber muss ich erst mal nachdenken.“

Dabei wäre es so nützlich, dieses Nachdenken. Oder einfach mal gar nichts tun. Das Unbewusste arbeiten lassen. Was wäre, wenn Mitarbeiter während der Arbeitszeit spazieren gehen dürften, um sich zu entspannen? Damit der Geist bessere Lösungen liefern kann… Ja, ich weiß: Das geht schon mal gar nicht, denn diese Art der Arbeit lässt sich weder messen noch kontrollieren.

Aber kleine Auszeiten müssten jedem möglich sein: Einfach mal rausgehen und einen Kaffee holen, bevor eine Situation eine ungute Wendung nehmen kann. Einfach mal sagen: „Lassen Sie uns eine Nacht darüber schlafen!“ Wenigstens so viel Auszeit sollte drin sein!

Mit Persönlichkeit punkten

Diese Woche hatte ich einen ziemlichen Schreckmoment. Ich sollte zwei Workshops auf einer Messe halten. Als ich ankam, fiel mir siedendheiß ein, dass ich meinen Laptop vergessen hatte. Somit fehlte mir meine Powerpoint-Präsentation. Vier Stunden vor den Menschen stehen – ohne die Möglichkeit, ihnen Folien zur Verdeutlichung der Inhalte zu liefern.

Der Schreck ließ jedoch ganz schnell nach, nachdem ich beschlossen hatte, dann eben die Folieninhalte anders rüberzubringen. Was soll ich sagen? Es wurden meine besten Auftritte seit langem. Die Bilder auf meinen Folien habe ich meinen Zuhörern einfach sehr lebendig beschrieben, sodass jeder das entsprechende Bild vor seinem geistigen Auge hatte. Die Inhalte konnte ich teilweise schauspielerisch darstellen. Einige wenige Zusammenhänge musste ich auf dem Flipchart skizzieren. Das Ergebnis: Viel mehr Intensität und eine größere Nähe zu meinem Publikum. Ich habe nicht einfach Inhalte vermittelt, ich WAR der Inhalt. Die Atmosphäre war gekennzeichnet von hoher Konzentration, Humor und Leichtigkeit.

Tatsächlich gab es immer schon gute Geschichtenerzähler und sie hatten viele Jahrtausende lang kein Powerpoint als Unterstützung. Persönliche Überzeugungskraft ist viel wichtiger beim Präsentieren als technischer Support. „Wie gestalte ich eine gute Folie?“ ist somit eine eher unbedeutende Frage. Viel bedeutsamer ist es hingegen, dass man prüft: „Wie stehe ich selbst zu den Inhalten? Was bedeuten sie mir?“ Denn davon hängt das Ergebnis ab. Wer mit Hingabe und Leidenschaft spricht, kann locker auf Technik verzichten.

Das vergisst man im Alltagsgeschäft gerne, weil jeder eine gute Technik erwartet und die technischen Möglichkeiten natürlich auch sehr reizvoll sind. Sie können eine hohe Sogwirkung entfalten. Hinzu kommt, dass Hingabe und Leidenschaft in der Geschäftswelt fast schon als unprofessionell gelten. Aber letzten Endes entscheidet sich der Erfolg nicht durch die Beherrschung von Präsentationstechniken, sondern danach, wer wir sind und wie wir als Person wirken.

Wenn Du heute besser bist als gestern

Die Kinderbuchautorin Astrid Lindgren lässt ihre junge Heldin Lotta zu Beginn einer Geschichte sagen:

„Mit mir ist es komisch. Ich kann so viel!“

Jeden Tag entdeckt die kleine Lotta staunend neue Fähigkeiten an sich. Es ist, als würde sie regelmäßig Schätze heben und mit jeder Entdeckung wachsen ihr Selbstvertrauen und ihre Lebensfreude.

Wir alle waren einmal so wie Lotta. Aber jetzt quälen sich viele von uns durch den Arbeitstag, sind froh, wenn das Wochenende naht. Was ist mit unserer Lernbegeisterung passiert? Warum stürzen wir uns nicht gierig auf neue Erfahrungen statt innerlich aufzustöhnen, wenn wieder eine Herausforderung wartet?

Eines ist sicher: Die Arbeit bietet ein größeres Glückspotenzial als die Freizeit und dabei spielen die täglichen Herausforderungen eine große Rolle. Wo sonst sind wir so regelmäßig mit neuen Situationen konfrontiert, auf die wir uns einstellen müssen? Ja, das ist anstrengend, aber darin liegt auch eine großartige Chance. Denn die Natur hat es so eingerichtet, dass Glückshormone ausgeschüttet werden, wenn wir uns anstrengen. Aus Sicht der Evolution macht diese Belohnung Sinn: Denn wer sich anstrengt, hat bessere Überlebenschancen.

Wir können von unserer Lernbereitschaft nur profitieren:

  • Sie macht uns glücklich, weil der Körper als Reaktion auf die Anstrengung Glückshormone ausschüttet.
  • Sie macht uns stolz und stärkt unser Selbstvertrauen, weil wir uns als kompetent erleben.
  • Sie macht uns erfolgreich, weil wir im Laufe der Zeit immer schlauer, tüchtiger und effektiver werden.

Darum wäre es gut, jede Chance für eine Herausforderung zu nutzen, sich auf alles zu stürzen, was neue Erfahrungen im Job verspricht. Lernen ist eine der zuverlässigsten Methoden, um das eigene Leben dauerhaft zu bereichern.

Chef mit Hund

Gerade bin ich damit beschäftigt, nach längerer Zeit mal wieder einen Junghund zu erziehen. Keine Kleinigkeit! Diese Aufgabe fordert mir sehr viel ab:

  • Klares Zielbewusstsein Ich muss wissen, wie ich mir das Leben mit meinem Hund vorstelle. Darf er auf die Couch, muss er mit Kindern klarkommen, soll er Aufgaben übernehmen, wenn ja, welche etc. Ohne Ziele keine Richtung und kein Erfolg.
  • Authentizität Ich muss kompromisslos echt sein. Mein Hund spürt, wenn ich mich verstelle und etwas darstelle, was ich nicht bin. Er wird kein Vertrauen zu mir entwickeln und er wird sehr verwirrt sein, wenn ich unecht bin.
  • Natürliche Autorität Drohen und bestrafen kann jeder, aber so baut man keine wirkliche Beziehung auf, weder zum Hund, noch zum Menschen. Angst ist keine gute Basis für das Miteinander. In einem Wolfsrudel wird für gewöhnlich nicht der stärkste Wolf Chef, sondern der mit der größten Souveränität. Solch ein Wesen vermittelt den  anderen Rudelmitgliedern Sicherheit und Überlegenheit. Man folgt ihm deshalb freiwillig und fühlt sich bei ihm gut aufgehoben.
  • Einfühlungsvermögen Wenn mein Hund dem Rückruf erst nach längerem Zögern Folge leistet, darf ich nicht schimpfen, sondern ich muss mich freuen. Denn der Hund soll ja auch in Zukunft gerne zu mir kommen. Wenn er gerade eifrig einer Spur nachgeht, sollte ich ihn nicht streicheln, auch wenn mir gerade danach ist, usw. Ein harmonisches Zusammensein, von dem beide Seiten profitieren, setzt Einfühlungsvermögen voraus.
  • Geduld Oft versteht der Hund nicht, was ich von ihm will. Oder er schafft das Geforderte einfach noch nicht. Da brauche ich Geduld. Ich muss ihm Zeit geben und darf nicht zu viel auf einmal verlangen.
  • Zuversicht Ich muss an meinen Hund glauben. Er spürt sofort, was ich von ihm halte. So wird jede meiner Annahmen ganz schnell zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Mein Hund ist besser dran, er wird mehr lernen und leisten, wenn ich ihm etwas zutraue. Ich muss sein Selbstvertrauen stärken, ihn ermutigen und loben.
  • Gute Laune Mein Hund soll sich gerne auf mich einlassen. Wenn ich ein Trauerkloß oder Langweiler bin, geht es ihm nicht gut mit mir und er wird sich nicht gerne mit mir beschäftigen.
  • Wohlwollen Der Hund muss spüren, dass ich Gutes für ihn will, dass ich auf seiner Seite und ein wohlwollender Rudelführer bin. Dann vertraut er mir und wir werden viel besser kooperieren.

Diese Tugenden werden mir als Hundeführerin abverlangt – und noch ein paar mehr.

Ich bin mir ziemlich sicher: All das lässt sich auf die Führung von Mitarbeitern übertragen. Und ich gebe zu: Wenn ich sehe, dass jemand gut mit seinem Hund klarkommt, bin ich geneigt, ihn auch für einen guten Chef zu halten.